Politik : Madrid für gemeinsame Kontrolle der Insel

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Madrid. Am Tag nach dem Sturm der spanischen Armee auf die Insel Perejil (Petersilie) vor der marokkanischen Küste hat sich noch keine konkrete Lösung des Konflikts abgezeichnet. Beide Seiten gelobten zwar am Donnerstag ihre Bereitschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Marokko nannte jedoch den Abzug der 80 spanischen Legionäre, die seit Mittwoch auf der zwischen beiden Ländern umstrittenen Insel die Stellung halten, als Bedingung für Gespräche. Madrid forderte seinerseits, Marokkos König müsse garantieren, das Eiland nicht wieder zu besetzen, und den „bisherigen Status quo“, also die spanische Kontrolle über die Insel, anerkennen.

Die marokkanische Regierung gab zu verstehen, dass der Konflikt um die spanischen Besitzungen an der marokkanischen Küste noch länger dauern könnte: „Der König und Marokkos Volk werden kämpfen, um die Souveränität zu verteidigen“, hieß es in Rabat. Zuvor hatte Außenminister Mohammed Benaissa Spaniens Militärschlag als „Kriegserklärung gleichkommend“ bewertet. Wobei er dann abschwächte: „Die Mittel der Verteidigung sind zahlreich, ohne dass man auf einen Krieg zurückgreifen müsse.“

In vielen Städten Marokkos kam es zu Protestkundgebungen gegen die „spanische Kolonialmacht". Die Menschen forderten auf Plakaten die „Rückgabe der besetzten Städte Ceuta und Melilla“, der beiden größten spanischen Besitzungen jenseits des Mittelmeeres. Auch gegenüber der Insel Perejil versammelten sich mehrere hundert Demonstranten und skandierten „Spanien raus“. Sie warfen Steine in Richtung der spanischen Schiffe. Das marokkanische Parlament debattierte über einen Abbruch der Beziehungen zu Spanien. In der marokkanischen Presse wurde die Möglichkeit angesprochen, spanische Produkte zu boykottieren.

Spanien versuchte derweil, den Konflikt zu begrenzen. Nach der überraschenden Militäroperation, an der mehr als 1000 spanische Soldaten beteiligt waren, um sechs marokkanische Militärs von der Insel zu vertreiben, bot Außenministerin Ana de Palacio die Rückkehr zum Dialog an. Ein Kompromiss könne darin bestehen, Sicherheitskräften beider Länder die Kontrolle der Felseninsel zu übertragen, sagte sie. Eine internationale Vermittlung, wie sie UN-Generalsekretär Annan vorschlug, lehnte Palacio ab. Genauso wie Gespräche über die Aufgabe der spanischen Garnisonsstädte: „Ceuta und Melilla sind spanisch wie Cadiz, Segovia oder Bilbao.“

Verteidigungsminister Federico Trillo kündigte derweil an, dass die spanische Armada in der Zone „so lange wie notwendig“ bleiben werde. Spanien hat vor der marokkanischen Küste sieben Kriegsschiffe zusammengezogen. Die spanischen Militärstützpunkte in den nordafrikanischen Festungsstädten Ceuta und Melilla, im Süden Spaniens und auch auf den Kanarischen Inseln befinden sich weiter in Alarmbereitschaft. Auch die Garnisonen auf jenen sechs Inseln, die Spanien vor Marokkos Küste besitzt, wurden verstärkt. Ralph Schulze

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