Politik : Mächtig

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Beide sind richtig guter Laune - Gerhard Schröder und „Bild“. Und beide aus demselben Grund. Der Kanzler und das Massenblatt haben Kenntnis von einer Sonderausgabe des US-Magazins „Newsweek“ erhalten. Darin geht es um die Welt von morgen, um Aufsteiger rings um den Globus, auf die man 2004 achten sollte (kein Deutscher darunter), und um eine der ach so beliebten Listen. „Man glaubt es kaum!“, meinte Schröder. Was? Die Abfolge der mächtigsten Staaten: USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada, Schweden, China, Norwegen, Niederlande. Deutschland auf Rang zwei! Gemessen wurde in sieben Kategorien (Militär, Wirtschaft, Bodenschätze, Technik, Diplomatie, Film, Soziales) mit insgesamt 22 Einzelbewertungen. Nun sind solche Rankings immer eine Mischung aus Spielerei und Ernst. Allein drei der 22 Einzelbewertungen gelten der Filmwirtschaft – aber die Bevölkerungszahl eines Landes ist keines der 22 wichtigsten Kriterien? Bei den 22 Wertungen siegt Island zweimal und San Marino einmal – Deutschland nie. Ihre gute Gesamtnote verdankt die Bundesrepublik dem Umstand, so „Newsweek“, dass Deutschland „nichts gewinnt, aber überall mit vorn liegt“.

Der Kanzler hatte auf einem Neujahrsempfang seine SPD-Fraktion als Publikum vor sich und empfahl postwendend: „Was andere als Stärke sehen, muss stärker in die Öffentlichkeit gebracht werden!“ Dies tat dann „Bild“ mit dem Fazit: „Selbstbewusst die Mundwinkel nach oben – und in die Hände spucken!“ Ganz so tatkräftig wollten ein paar Genossen denn doch nicht sein. „Müssen wir jetzt auch noch ,Newsweek’ lesen?“, kommentierten SPD-Abgeordnete Schröders Freude.

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