Politik : Mähen tut nicht Not

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Man könnte sich wunderbar darüber streiten, ob der Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ die Natur oder die Kultur fördert. Also: Ist das Kunst, wenn prachtvolle Blumenbeete und reich verzierte Balkone in jeder Regenbogenfarbe erstrahlen? Oder ist das der Triumph der Natur? Jedenfalls hat nun Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander von der FDP einen bedeutsamen Vorschlag zum richtigen Umgang mit unseren pflanzlichen Mitwesen gemacht, der sich eindeutig am Natürlichen orientiert und die Möglichkeiten der Zivilisation barsch in ihre Schranken weist.

Sander, der einen Obsthof besitzt, fordert nämlich mehr Mut zur Faulheit beim Rasenmähen. „Weniger Pflege von Rasen und Wiesen führt zu mehr Natur in unseren Städten und Gemeinden“, hat Sander gesagt. Und den Kommunen seines schönen Bundeslandes geraten, die öffentlichen Grünflächen seltener zu mähen. Pflanzen wie Margeriten und Lichtnelken könnten sich dann besser vermehren. Auch Vögel wie der Stieglitz und das Rotkehlchen profitierten, weil es auf den Wiesen mehr Insekten gäbe. Zudem sei es billiger, weniger zu mähen. Selbstbeschränkung, Verzicht, Zurücknahme – das alles als liberale Tugenden? Man hört und staunt.

Vielleicht ist Sanders Aussage nur vor dem Hintergrund zu verstehen, dass die Natur selbst in ihrer unerbittlichen Gewalt der niedersächsischen Politik gerade auf drastische Weise die Grenzen der Zivilisation vorgeführt hat. Im Landtag kam es nämlich zu einem Wasserrohrbruch. Erst wurde das Präsidiumszimmer überflutet, dann ergossen sich die Wogen in den Plenarsaal. Daher rührt also die neue Bescheidenheit. Die Natur siegt, überall.

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