Politik : Mängel im Kernkraftwerk Brunsbüttel?

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Berlin - Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Sicherheitsmängel im Atomkraftwerk Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) bemängelt. Die Notstromversorgung des Akw entspreche nicht dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik und sei auf Betriebsstörungen schlechter vorbereitet als das Störfall-Kraftwerk im schwedischen Forsmark, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Der Meiler nahe der Elbmündung wird von den Firmen Vattenfall und Eon betrieben.

Wie aus internen Papieren der Reaktorsicherheitskommission der Bundesregierung, der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit und der schleswig-holsteinischen Aufsichtsbehörde hervorgehe, seien die Defizite seit Mai 2002 bekannt. Die Mängel seien damals bei einer Mitarbeiterschulung und Störfallsimulation in Kanada zu Tage getreten. „Die Tests haben ergeben, dass Zwischenfälle in Brunsbüttel weniger beherrschbar sind, als gedacht“, so Resch. „Wir fordern deswegen, dass die Sicherheitssysteme nachgerüstet werden oder der Reaktor stillgelegt wird.“ Ein Umbau der Sicherheitssysteme würde nach Schätzung von Resch mindestens 50 Millionen Euro kosten.

Wolfgang Cloosters, Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im schleswig-holsteinischen Sozialministerium und damit Chef der zuständigen Aufsichtsbehörde, bestätigte im Wesentlichen die Darstellung der Umwelthilfe. Tatsächlich werde bereits seit drei Jahren an der „Optimierung der Notstromversorgung“ des Akw Brunsbüttel gearbeitet. Schließlich hätten 1976, als der Meiler in Betrieb ging, noch ganz andere technische Vorschriften gegolten. Allerdings, so Cloosters, habe keiner der von der DUH zitierten Experten behauptet, „dass das Kraftwerk deshalb nicht mehr sicher betrieben werden kann“. Für die Forderung nach sofortiger Abschaltung fehle daher die Grundlage. Gleichwohl hätten die Betreiber ein Konzept für die Nachrüstung vorlegen müssen. Dies werde „zurzeit noch gutachterlich geprüft“. Zur Entscheidung stehe unter anderem, ob die Betreiber wie in allen anderen deutschen Anlagen auch nicht nur wie bislang drei, sondern vier Notstromdieselaggregate bereithalten müssen. Im Übrigen sei die schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) wie die DUH der Ansicht, „dass die Kerntechnik grundsätzlich ein hohes Risiko enthält“ und darum der geplante Ausstieg aus der Atomenergie umgesetzt werden solle. S.K./hsc

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