Politik : Mafia-Jäger Borissov will in Sofia aufräumen

Frank Stier

Berlin - „Wenn ich gewählt werde“, hatte der in der Bevölkerung als Mafia-Jäger populäre Generalleutnant Boiko Borissov vor der Bürgermeisterwahl in Sofia versprochen, „mache ich aus Sofia in ein bis zwei Jahren eine Stadt wie Wien oder München.“ Und als sei keine Zeit zu verlieren, setzte der 46-Jährige schon am Tag nach seinem Wahlsieg Baumaschinen in Gang, um vor laufenden Kameras ausgesuchte Schlaglöcher zu teeren. Sofia profitiert wie keine andere Stadt von Bulgariens seit Jahren andauerndem wirtschaftlichen Aufschwung, dennoch zeugen viele seiner Straßen und Häuser von jahrzehntelanger Vernachlässigung.

Bei der Stichwahl in der bulgarischen Hauptstadt Sofia hatte der unabhängige Kandidat und frühere Staatssekretär im bulgarischen Innenministerium mehr als zwei Drittel der abgegebenen Stimmen errungen. Seine von der regierenden Sozialistischen Partei ins Rennen geschickte Kontrahentin Tatjana Dontscheva blieb bei einer Wahlbeteiligung von nur 30 Prozent am vergangenen Wochenende chancenlos.

Die Bürgermeisterwahl Sofias hat in dem zentralistisch ausgerichteten Bulgarien nationale Bedeutung . So wird vermutet, Borissov – nach dem Sturz des früheren Staatschefs Todor Schiwkow im Jahre 1989 dessen Leibwächter – könne sein neues Amt als Sprungbrett für weiter gehende Ambitionen nutzen. Zunächst wird er nach seiner für den heutigen Donnerstag angesetzten Vereidigung zu beweisen haben, dass er nicht nur im Umgang mit Verbrechern über Qualitäten verfügt, sondern auch in der Auseinandersetzung mit dem als Haifischbecken geltenden Sofioter Stadtparlament. Während der letzten Amtsjahre des mittlerweile unter Korruptionsverdacht stehenden Stefan Sofianski gab es in der Kommunalpolitik viele Versäumnisse. Im Sommer stank Sofia zum Himmel, weil Anwohner die an ihre Kapazitätsgrenzen gelangte Mülldeponie Suhodol blockierten.

Borissovs Wähler erwarten von ihm auch, dass er die auf den Straßen Sofias offen ausgetragenen Bandenkriege eindämmt. In den vergangenen drei Monaten wurden dabei in Bulgarien neun Menschen in der Öffentlichkeit ermordet, darunter einen der führender Banker des Landes. Diese Tat wurde nur einen Tag, nachdem die EU Bulgarien im Fortschrittsbericht wegen der organisierten Kriminalität verwarnt hatte, verübt. Daher vermutete Innenminister Rumen Petkov in diesem Fall ausnahmsweise einen politischen Sabotageakt – von Kreisen, denen die geplante EU-Mitgliedschaft Bulgariens als Bedrohung für ihre kriminellen Geschäfte erscheine.

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