Magdeburg : Polizei sucht rechtsextreme Schläger

Mitten in der Magdeburger Innenstadt wurden am Wochenende vier Afrikaner vor zahlreichen Schaulustigen angepöbelt und verprügelt. Kurz zuvor war eine schwangere Irakerin krankenhausreif geschlagen worden.

Magdeburg Nach der Attacke auf eine Gruppe Afrikaner in Magdeburg hat die Polizei die Täter noch nicht gefasst. Bei dem Vorfall in der Nacht zum Sonntag waren zwei Männer aus dem westafrikanischen Niger und ein Polizist, der einen Angreifer festhalten wollte, verletzt worden. Eine schwangere Irakerin, die am Samstagabend in Sachsen-Anhalts Hauptstadt angegriffen wurde, wird  weiter in einem Krankenhaus behandelt. Sie hat laut Polizei über Unterleibsschmerzen geklagt.

Die Frau, die mit ihrem zweijährigen Kind in einem Bus saß, war geschlagen und gestoßen worden. Die Polizei hatte die 28 und 30 Jahre alten Angreifer vorläufig festgenommen, sie am Sonntag jedoch mangels Haftgründen wieder auf freien Fuß gesetzt. Laut Polizei konnte das Opfer bisher nicht zu dem Zwischenfall befragt werden.

Staatsschutz leitet Ermittlungen

Der Staatsschutz hat in beiden Magdeburger Fällen Ermittlungen unter anderem wegen Volksverhetzung, Beleidigung, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung aufgenommen.

Der Polizei zufolge wird auch ein Punk gesucht, der den Afrikanern nach Zeugenaussagen zu Hilfe eilte. Er soll durch Schläge und Tritte verletzt worden sein, meldete sich bislang jedoch nicht bei der Polizei. Diese rief nochmals Zeugen auf, sich zu melden, bisherige Zeugenbefragungen haben einige Widersprüche und noch kein gänzlich klares Bild von den Vorkommnissen ergeben.

Aufforderung zu mehr Zivilcourage

Nach den beiden ausländerfeindlichen Überfällen forderte die Opferberatung Sachsen-Anhalt mehr Zivilcourage von Zeugen. "Niemand muss gegenüber Gewalttätern den Helden spielen. Doch ein Handy hat fast jeder in der Tasche. Es reicht aus, die Polizei zu rufen und sich anschließend als Zeuge zur Verfügung zu stellen", sagte Sprecherin Martina Nees. Die Mobile Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt forderte nach den Vorkommnissen auch eine offensive Reaktion der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB). "Der öffentliche Personennahverkehr ist seit geraumer Zeit ein Schwerpunkt fremdenfeindlich motivierter Straftaten", sagte Nees. (dm/dpa)

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