Politik : Mahnmal-Inschrift sorgt weiter für Streit

Die Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, droht mit einem Boykott der Einweihung des Mahnmals für die Opfer des Nazionalsozialismus, sollte die Inschrift den Begriff "Zigeuner" beinhalten. Kultur-Staatsministerin Christina Weiss forderte Rose zum Einlenken auf.

Berlin (28.02.2005, 13:59 Uhr) - Der Streit über das Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma in Berlin geht weiter. Ein Gespräch zwischen dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, Bundesratspräsident Matthias Platzeck (SPD) und Kultur- Staatsministerin Christina Weiss (parteilos) über die Denkmal- Inschrift blieb am Montag ergebnislos.

Bei dem Treffen im Kanzleramt in Berlin wies Rose den Kompromissvorschlag einer Initiative der kulturpolitischen Sprecher aller Fraktionen im Bundestag zurück. Demnach soll mit der Inschrift des Denkmals im Berliner Tiergarten an jene Menschen erinnert werden, «die von den Nationalsozialisten in ihrem menschenverachtenden Rassenwahn als Zigeuner in Deutschland und Europa verfolgt und ermordet wurden».

Der Begriff «Zigeuner» sei eine Beleidigung und Diffamierung für die Sinti und Roma, betonte Rose. Für den Zentralrat komme nur ein Zitat des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog in Frage. Dieser hatte 1997 erklärt, der Völkermord an den Sinti und Roma sei von den Nationalsozialisten mit dem gleichen Vernichtungswillen wie der Holocaust betrieben worden.

Zuvor hatte Rose im DeutschlandRadio Berlin mit einem Boykott der Einweihung gedroht. Sollte der Bau ohne Einigung begonnen werden, müsse sich Weiss überlegen, wer das Denkmal mit ihr einweihen wolle. «Die Überlebenden des Holocaust ganz bestimmt nicht», sagte Rose.

Weiss und Platzeck forderten Rose zum Einlenken auf. Mit der Inschrift sollten alle Sinti und Roma einverstanden sein. Die in Köln ansässige Sinti Allianz sprach sich gegen das Herzog-Zitat und für den Begriff «Zigeuner» in der Inschrift aus.

Sollte es zu keiner Einigung kommen, werde der Platz für die Inschrift zunächst frei blieben, sagte Weiss. Statt dessen werde ein Text am Mahnmal den Streit dokumentieren. Dies sei aber die schlechteste aller Varianten, betonte Platzeck. Der Bau des Denkmals in der Nähe des Bundestages nach einem Entwurf des israelischen Künstlers Dani Karavan soll noch in diesem Jahr beginnen. Der Bund stellt dafür zwei Millionen Euro zur Verfügung. (tso) ()

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