Mali : Islamisten zerstören Unesco-Weltkulturerbe in Timbuktu

Sie wird "Perle der Wüste" genannt: die Stadt Timbuktu in Mali. Erst am Donnerstag hatte das Unesco-Welterbekomitee sie auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. Nun haben Islamisten dort jahrhundertealte Schätze verwüstet.

Islamisten zerstören das Welterbe von Timbuktu. Die Welt schaut entsetzt zu.
Islamisten zerstören das Welterbe von Timbuktu. Die Welt schaut entsetzt zu.Foto: AFP

Islamisten haben mit der Zerstörung jahrhundertealter Grabstätten in der Welterbestadt Timbuktu im Norden Malis Entsetzen ausgelöst. Nach Angaben der Unesco und von Augenzeugen verwüsteten Mitglieder der Gruppe Ansar Dine am Samstag drei Mausoleen islamischer Heiliger. Die UN-Kulturorganisation unterbrach ihre Sitzung in St. Petersburg, bei der sie neue Welterbestätten auswählte, und sprach von einer „tragischen Nachricht“.

"Das sind tragische Nachrichten für uns alle“, erklärte die Vorsitzende des Unesco-Exekutivkomitees, Alissandra Cummins. Unesco-Generaldirektorin Irina Bokowa teilte in einer Erklärung mit, sie könne bestätigen, dass Ansar Dine bereits drei Heiligengräber zerstört habe. Es gebe „keine Rechtfertigung für so eine mutwillige Zerstörung“.

Laut Augenzeugen zerstörten die Islamisten binnen weniger Stunden die Grabstätten der Heiligen Sidi Mahmud, Sidi Moctar und Alpha Moya und zogen anschließend in Richtung weiterer Mausoleen weiter. Die teils bewaffneten Kämpfer seien mit Spitzhacken und Meißeln vorgegangen und hätten „Gott ist groß“ gerufen. Einem Zeugen zufolge boten die Islamisten örtlichen Maurern Geld für die Unterstützung der Aktion an, doch die Arbeiter hätten sich geweigert.

Die Islamisten reagierten mit der Zerstörung nach eigenen Angaben auf die Entscheidung des Welterbekomitees vom Donnerstag, Timbuktu wegen des bewaffneten Konflikts in Mali auf die Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen. Ansar-Dine-Sprecher Sanda Ould Boumana sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Gruppe wolle noch am Samstag „ohne Ausnahme jedes Mausoleum in der Stadt zerstören“.

Dies sei ein Auftrag „im Namen Gottes“. „Wir sind alle Muslime. Was ist die Unesco?“, sagte Boumana. Die Regierung in Malis Hauptstadt Bamako verurteilte das Vorgehen als „Kriegsverbrechen“ und kündigte „nationale und internationale Schritte“ an, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Taten hätten „nichts mit dem Islam zu tun“.

Das rund tausend Kilometer nördlich von Bamako gelegene Timbuktu am Rande der Sahara wird auch „Perle der Wüste“ oder „Stadt der 333 Heiligen“ genannt und zählt seit 1988 zum Weltkulturerbe. Die zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert von Tuareg-Stämmen gegründete Stadt war ein geistiges Zentrum des Islam.

Nach einem Militärputsch im März war es Tuareg-Rebellen und islamistischen Gruppierungen gelungen, den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle zu bringen, darunter Timbuktu und Gao. Beide Städte waren zuletzt Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen Islamisten und Tuareg-Kämpfern.

Angesichts des Machtzuwachses für die Islamisten in Nordmali rief die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) den UN-Sicherheitsrat auf, mit einer Resolution die Entsendung einer regionalen Eingreiftruppe nach Mali zu unterstützen.

(AFP)

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