Politik : …Mama strahlt

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Auf Esperanto heißt Mama panjo. Panjo ist die Koseform von patrino, patrino heißt Mutter. Gibt es eigentlich von „Mama“, jener alten Weise, eine EsperantoVersion? „Panjo, du wirst doch nicht um deinen Jungen weinen“, so etwa?

Hendrik Nikolaas Theodoor Simons hat seinen Wohnort Moresnet in Belgien trefflich gewählt. Moresnet war mal um 1906 herum Esperanto-Staat. Esperanto ist eine Kunstsprache. Und so ganz von dieser Welt ist die Welt des Hendrik Simons, Heintje genannt, auch nicht. Panjo Simons ist übrigens inzwischen 73. Bub und Mama wohnen wieder zusammen. Der Junge hat ihr ein Schlösschen gleich neben seinem Reiterhof gebaut. Das Leben ist doch schön und eine Idylle. Heintje singt der Mama noch heute oft ein Lied. Nicht jetzt so ein umstürzlerisches Zeug wie Mick Jagger und seine street fighting grandpas, und auch keinen Schmuddelkram, aber auch schön. Irgendwie schön.

Heintje wird heute fünfzig Jahre alt, und nun ist es wohl an der Zeit, den etwas jüngeren Menschen zu erzählen, wer und was Heintje eigentlich ist und war. Heintje war elf, als er im heimischen Bleijerheide, Niederlande, in der elterlichen Gaststätte neben der Musikbox stand und laut mitsang. Also so eine Art holländisches Karaoke. In die Kneipe kam Addy Kleijngeld, und der Name ist wirklich keine Erfindung. Mijnher Kleijngeld nahm den Knaben, ließ ihn das Lied „Mama“ singen und machte großes Geld.

Hier das Lied: „Mama,/ du wirst doch nicht um deinen Jungen weinen/ Mama,/ bald wird das wieder uns vereinen./ Ich werd es nie vergessen,/ was ich an dir hab besessen,/ dass es auf Erden nur eine gibt,/ die mich so heiß hat geliebt./ Mama,/ und bringt das Schicksal uns nur Kummer und Schmerz,/ dann denk ich oft daran, es weint für mich immer, Mama, dein Herz.“ Der Scheitel des Jungen beim Vortrag war akkurat und nach dem Vortrag waren die Taschentücher der anwesenden Mütter nass. Später sang Heintje noch Heidschi Bumbeidschi und anderes, 40 Millionen Platten hat er verkauft.

Das war alles Ende der sechziger Jahre und die Welt noch heil. Ein Teil der Welt. Die andere hörte Rolling Stones, und dann kam die Generation der 68er, und die Welt geriet durcheinander. Nur Heintjes Welt ist immer noch heile. Wenn die Sonne scheint, sagt er, sitzt er mit Mama gemütlich auf der Terrasse. Nur, dass sein Sohn seit eineinhalb Jahren eine Anstellung als Bauschlosser sucht, betrübt ihn. Früher habe es die Ellbogen-Gesellschaft noch nicht gegeben, sagt Heintje. Mamas Ellbogen sind immer weich und rund.uem

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