• "Man hätte eher die Franzosen bestechen müssen" - Der Ex-Ost-Beauftragte Ludewig bestreitet "sachfremde Einflüsse"

Politik : "Man hätte eher die Franzosen bestechen müssen" - Der Ex-Ost-Beauftragte Ludewig bestreitet "sachfremde Einflüsse"

Der Parteispenden-Untersuchungsausschuss wird sich

Der Parteispenden-Untersuchungsausschuss wird sich auch mit dem Verkauf der Raffinerie Leuna im Jahr 1992 an die französische Elf Aquitaine befassen. Dabei sollen Millionensummen geflossen sein, um das Geschäft zu sichern.

Das ist ziemlich absurd. So wie die Sachlage damals war, hätte man eher die Franzosen bestechen müssen, Leuna zu kaufen, und nicht umgekehrt.

Aber dass Geld geflossen ist, steht wohl fest.

Ich weiß das nicht. Entweder sind diese Vorwürfe alle falsch. Oder es gab damals bei Elf Leute, die die Lage komplett falsch eingeschätzt haben. Mit Einflussnahme auf politische Entscheidungen hat das jedenfalls nichts zu tun.

Sie als damaliger Ost-Spezialist der Bundesregierung haben nie etwas von Schmiergeldern gehört?

Ich habe nie etwas von einem sachfremden Einfluss mitbekommen. Ich gehe davon aus, dass dies bei der Treuhandanstalt, die ja die eigentliche Entscheidung zu treffen hatte, nicht anders war. Die Treuhandanstalt wollte Leuna ja auch an Elf verkaufen, weil dies das weitaus attraktivere Angebot für die Region und die Arbeitsplätze war. Das in der Anfangsphase ebenfalls noch bestehende Interesse von BP war nach Beurteilung der Treuhandanstalt deutlich weniger attraktiv.

Helmut Kohl erinnert sich inzwischen, dass ihn der Geschäftsmann Holzer per Brief gebeten hat, sich für den Verkauf an Elf stark zu machen. Holzer behauptet, für seine Lobby-Arbeit 50 Millionen Mark erhalten zu haben.

Wir haben damals viele solcher Briefe bekommen. Speziell an Holzer erinnere ich mich nicht. Aber er hätte uns ja nur zu etwas aufgefordert, was wir sowieso tun wollten.

Dafür zahlt ein Großkonzern Unsummen?

Ob da im Unterholz nicht irgendwelche Leute ihr Spiele getrieben haben, dafür kann ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Ich kann ja nicht ausschließen, dass Leute wichtig getan haben, die gar keinen Einfluss hatten, und dass denen jemand geglaubt hat. Und dann sind womöglich Beträge geflossen in dem falschen Glauben, dass damit etwas bewirkt werden könnte.

Die frühere Verteidigungs-Staatssekretärin Hürland-Büning (CDU) hat unmittelbar nach dem Abschluss des Leuna-Verkaufs einen millionenschweren Beratervertrag bei einer Tochter des beteiligten Thyssen-Konzerns bekommen. Finden Sie das nicht auffällig?

Mir ist damals nicht aufgefallen, dass Frau Hürland-Büning in dieser Sache irgendeinen Einfluss gehabt hätte.

Sie schließen eine Einflussnahme also aus?

Für mich ist eine Einflussnahme nicht erkennbar. Ich finde es im übrigen bedenklich, dass immer aufs Neue dieser unhaltbare Verdacht erhoben wird und damit das ganze Leuna-Projekt in ein schiefes Licht gerückt wird, obwohl sich schon ein Untersuchungsausschuss ohne Ergebnis befasst hat. Wir wollen ja auch in Zukunft noch Wirtschaftsprojekte nach Ostdeutschland holen. Was meinen Sie, wie das auf potenzielle Investoren wirkt, wenn sich hier immer wieder Untersuchungsausschüsse mit wichtigen ostdeutschen Wirtschaftsprojekten befassen. Wir sollten die Sache auf ihren wirklichen Kern begrenzen. Die politische Entscheidung ist nach meinem Kenntnisstand nicht beeinflusst worden.

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