Politik : Manfred Weiß ist über die Wehrpolitik in die Justiz gekommen

Rolf Linkenheil

Er ist ein grosses, stattliches Mannsbild, und wenn er in die Uniform steigt, scheint sie ihn ein bisschen zu zwicken. Doch der 55 Jährige trägt bei Gelegenheit voller Stolz den Soldatenrock mit den Rangabzeichen, die ihn als Oberst ausweisen. Durch regelmäßige Wehrübungen diente sich der Reserveoffzier vom Leutnant weiter nach oben. Die Vermutung scheint angebracht, dass er es noch zu mehr Schmuck auf den Schulterklappen bringen wird. Doch das Soldatische ist nicht der Beruf von Manfred Weiß, den Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber dem Landtag zur Ernennung als Nachfolger des geschassten Alfred Sauter vorschlagen will. Es ist eher seine Leidenschaft.

Im Zivilberuf war der promovierte Jurist von 1973 bis 1978 Richter am Landgericht Nürnberg-Fürth. Seit seiner Wahl in den Landtag im Herbst 1978 ist er Berufspolitiker, der sich in seiner Partei vor allem mit der Wehrpolitik und der Inneren Sicherheit befasst. 1993 wählte die CSU-Fraktion Weiß zu einem der Stellvertreter des Fraktionsvorsitzenden Alois Glück. Seit 1989 ist er stellvertretender Vorsitzender des CSU-Bezirks Mittelfranken, was von Bedeutung ist, weil jeder bayerische Ministerpräsident bei seiner Regierungsbildung auf einen Kräfteausgleich zwischen den sieben Regierungsbezirken Bayerns bedacht sein muss. Weil Stoiber im Verlauf der LWS-Affäre den Schwaben Sauter gefeuert hat und dafür einen Mittelfranken beruft, muss er als schwäbisches Ausgleichsstück den Donauwörther Juristen Georg Schmid in die Regierung aufnehmen; als Sozialsstaatssekretär. Dessen Vorgänger Joachim Herrmann wird Nachfolger von Weiß als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CSU im Landtag. Die Fraktion muss diesem Vorhaben zwar noch zustimmen, aber der Mut oder der Wille, dem grossen Edmund zu widersprechen, wird von Alfred Sauter nicht auf die Mehrheit überspringen.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben