Politik : Mangelfinanzierung der Hochschulen: Gebühren Ansporn für Studenten

U.S.

Trotz einer deutlichen Erhöhung der Mittel für den Hochschulbau durch Bund und Länder auf jetzt 4,3 Milliarden Mark im Jahr reicht das Geld nicht aus, um den dringenden Sanierungsbedarf für die vielen Hochschulgebäude aus den 70er Jahren und den Ausbau der Hochschulen im Osten des Landes finanzieren zu können. Dazu seien jährlich etwa fünf Milliarden Mark nötig. Wie sein Amtsvorgänger Winfried Schulze prangerte auch der neue Vorsitzende des Wissenschaftsrats, der Charité-Mediziner Karl Max Einhäupl, gestern vor der Presse diese Unterfinanzierung an.

Deutschland dürfe sich die Mangelfinanzierung der Hochschulen auf Dauer nicht leisten, weil der wissenschaftliche Nachwuchs dann nicht mehr herangebildet werden könne, den die Wirtschaft und die Forschungsinstitute benötigten. Ein Ziel während seiner Amtszeit sieht Einhäupl darin, ein Umdenken auch in der Wirtschaft zu erreichen, damit sie sich stärker an der Finanzierung der Wissenschaft beteiligt. Vorbild sind für ihn die Vereinigten Staaten. Das kurzfristige Denken der Wirtschaft hier zu Lande, ihr vorrangiges Interesse an möglichst schnellen Anwendungen stehe im Gegensatz zur Wissenschaft, die für die Grundlagenforschung Zeit benötige. Es müsse der Wirtschaft vermittelt werden, dass sie in zehn oder 20 Jahren auf Erkenntnissen der heutigen Forschung basieren werde.

Dennoch hält der Wissenschaftsrat daran fest, dass die Finanzierung der Hochschulen hauptsächlich vom Staat aufzubringen sei. Studiengebühren sollten nicht in erster Linie die Finanzierungslücke begrenzen, sondern seien vor allem als Steuerungssystem für bessere Leistungen in der Lehre und für mehr Engagement der Studenten gedacht. Bisher war der Wissenschaftsrat von den Politikern daran gehindert worden, Empfehlungen für die Einführung von Studiengebühren abzugehen. Der neue Vorsitzende Einhäupl hofft, dass sich das in der nächsten Legislaturperiode ändern wird.

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