Politik : Mann des Friedens

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Der Italiener Enzo Baldoni (56) galt seinen Freunden als ein „Mann des Friedens“, getrieben vom „Mitgefühl für die Leidenden der Welt“. Den Krieg im Irak lehnte er ab; er stellte sich damit auch gegen die Regierung von Silvio Berlusconi. In der Nacht zum Freitag wurde bekannt, dass Baldoni von seinen islamistischen Entführern getötet wurde. Nach Bagdad war der abenteuerlustige Werbefachmann Baldoni in halb humanitärer, halb journalistischer Mission gereist. Er begleitete zwei Hilfskonvois des Roten Kreuzes in das von den Amerikanern belagerte Nadschaf. Andere Quellen sagen, er brachte die Hilfe überhaupt erst ins Laufen. Zudem wollte er sich wohl zu den Schiitenführern um Muktada al Sadr durchschlagen, um sie für die Wochenzeitung „Diario“ zu interviewen. Für die Terroristen lieferte er also eigentlich kein Feindbild . Allerdings glaubt in Rom niemand daran, dass sich die Terroristen irrtümlich den Falschen gegriffen haben. In Rom wird spekuliert, mit der Ermordung eines „unschuldigen“ Italieners wollten die Terroristen den Druck auf Rom entscheidend verschärfen, die 3000 italienischen Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Das Ultimatum im Fall Baldoni war sehr knapp bemessen. Innerhalb von 48 Stunden sollte die Regierung Berlusconi ihre Entscheidung treffen. Doch Rom, das wie bei den Entführungen im April glaubte, für Verhandlungen mit den Terroristen viel Zeit zu haben, blieb hart. pak

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