Manöver "Großer Prophet" : Iran testet Mittelstreckenraketen

Ungeachtet internationaler Kritik an seinem Atomprogramm hat Iran ein groß angelegtes Militärmanöver gestartet und dabei mehrere für Atomsprengköpfe geeignete Raketen abgefeuert.

Teheran - Aus der Wüste nahe der Stadt Kom wurden mehrere ballistische Raketen vom Typ Schahab-3 mit einer Reichweite von rund 2000 Kilometern abgeschossen, wie der iranische Fernsehsender Al Alam berichtete. Die mit Streumunition bestückten Raketen könnten demnach US-Stützpunkte in der Golfregion, Israel und Ziele in Südeuropa erreichen. Das Manöver ist der Auftakt einer Serie von Übungen der iranischen Armee in den kommenden zehn Tagen in 14 Landesprovinzen.

Nach Informationen von Al Alam feuerte die Armee Dutzende Raketen ab, darunter neben den Schahab-3 auch die 500 Kilometer weit reichende Schahab-2 sowie Raketen vom Typ Scud-B, Fateh-110, Selsal und Solfahar. Die Schahab-Typen sind mit Streumunition bestückt und explodieren vor der Berührung mit dem Boden; dabei streuen sie in einem weiten Umkreis "Mini-Bomben mit großer Zerstörungskraft", wie der TV-Sender weiter berichtete.

Westliche Experten: Raketenreichweite geringer als behauptet

Es war das erste Mal, dass die Schahab-3 während eines Manövers zum Einsatz kam. Die Raketen können auch größere nukleare Sprengköpfe tragen. Westliche Experten schenken den iranischen Angaben zur Reichweite allerdings wenig Glauben und gehen von einer Reichweite von 1500 Kilometern aus.

Nach Einschätzung Moskaus verfügt Teheran nicht über die technischen Mittel, ballistische Interkontinentalraketen zu bauen. Der russische Generalstabschef Juri Balujewski sagte der Nachrichtenagentur Itar-Tass, Iran mangele es am Know-how zum Bau von Raketen mit einer Reichweite von 5000 Kilometern. Auf jeden Fall beobachteten Moskaus Geheimdienste die Entwicklung in Iran, betonte er.

Seemanöver der USA und verbündeter Mächte findet parallel statt

General Jahja Rahim Safawi von den Revolutionsgarden im Iran sagte, das Manöver "Großer Prophet II" solle Irans "Kraft und Willen" demonstrieren, sich gegen Bedrohungen zu verteidigen. Im Konflikt um das iranische Atomprogramm hat Washington den Einsatz militärischer Mittel gegen Teheran nicht ausgeschlossen. Vor allem die USA vermuten, dass Teheran an der Atombombe baut. Iran betont dagegen, sein Atomprogramm diene ausschließlich zivilen Zwecken. Wegen Teherans Weigerung, die Urananreicherung auszusetzen, bemühen sich die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschland derzeit um die Verständigung auf einen Resolutionsentwurf mit Sanktionen gegen Iran.

Parallel zu den iranischen Manövern halten die USA, Frankreich, Italien, Großbritannien und Australien ein gemeinsames Seemanöver im Persischen Golf ab. Ziel der Übung, die am Montag begann, ist die Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen. Einige der 14 Provinzen, in denen die iranische Armee übt, grenzen an den Golf. Die Stadt Kom liegt in einer Wüstenregion rund 120 Kilometer südlich von Teheran. (tso/AFP)

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