Politik : Marc Wallert in Tripolis: Fliegt Fischer nach Libyen?

Nach seiner mehr als viermonatigen Geiselhaft auf Jolo ist Marc Wallert auf dem Weg in die Heimat. Die libysche Sondermaschine mit dem 27-Jährigen und den drei anderen freigelassenen Geiseln war am Montagvormittag nach einem Tankstopp in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf dem Weg nach Libyen. Die Maschine wurde am Montag in der libyschen Hauptstadt Tripolis erwartet. In Tripolis würden sie die Nacht verbringen, bevor sie am Dienstag an einer offiziellen Begrüßungsfeier teilnehmen würden, teilte die Gaddafi-Stiftung mit, die an den Verhandlungen mit den Geiselnehmern beteiligt war.

Über das Programm in Tripolis herrschte zunächst Unklarheit. Offen war vor allem, ob und wann Revolutionsführer Muammar el Gaddafi die Freigelassenen begrüßen wird. Dies hängt nach Angaben von libyschen Regierungsmitarbeitern auch davon ab, ob Bundesaußenminister Joschka Fischer nach Tripolis fliegen wird.

Die Stadt Göttingen will am Mittwoch einen offiziellen Empfang für die inzwischen vollständig aus der Geiselhaft freigekommene Familie Wallert geben. Das teilte ein Verwaltungssprecher am Montag mit. Vorgesehen sei ein Festakt im Rathaus. Marc Wallert werde voraussichtlich am Dienstagabend in der südniedersächsischen Universitätsstadt eintreffen.

Werner Wallert machte unterdessen ein Versprechen wahr und rasierte pünktlich zur Freilassung von Sohn Marc seinen in der Gefangenschaft gewachsenen Vollbart ab. Gänzlich ohne Bart und sichtlich gut gelaunt verließ der 57-jährige Pädagoge am Montagmorgen das Haus der Familie in Göttingen-Geismar und machte sich auf den Weg zum Unterricht im Theodor-Heuss-Gymnasium. Nach seiner eigenen Freilassung durch die Moslemgruppe Abu Sayyaf hatte Wallert erklärt, der dunkle Vollbart werde erst abgenommen, wenn auch sein 27 Jahre alter Sohn in Freiheit sei.

An den Bemühungen um die Freilassung der Familie Wallert war eine Gruppe von Wirtschaftsexperten, Kirchenvertretern und Privatleuten beteiligt. Die Gruppe um den Göttinger Software-Entwickler Thomas Röttgen hat in Malaysia über Mittelsmänner mit den Rebellen verhandelt. Röttgen berichtete am Montag, erst nach langem Zögern habe die Bundesregierung ihre Vermittlungsangebote angenommen. "Schlüssel der Gespräche" seien Hilfsprojekte in der Krisenregion, bei der die Unternehmen helfen wollen.

Röttgen, der in Malaysia Forst-Management-Systeme vertreibt, sagte der dpa, er habe vom ersten Tag der Entführung an engen Kontakt zu dem stellvertretenden Ministerpräsidenten des malaysischen Bundeslandes Sabah, Datuk Nyip Shen Tham, gehalten. Dieser verfüge über "beste Kontakte" in der südphilippinische Region und zu dem Chef der 6000 Rebellen, dem Gouverneur der autonomen muslimischen Provinz Mindanao, Nur Misuari. Mit ihm habe er mehrmals verhandelt.

Nach der Freilassung von Marc Wallert aus der Hand der Abu-Sayyaf-Rebellen wird noch ein Deutscher im Ausland als Geisel festgehalten. Allerdings gibt es zu diesem Fall nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin keine Informationen für die Öffentlichkeit. Die Angehörigen hätten um absolute Vertraulichkeit gebeten.

Neue Geiselnahme auf Ferieninsel

Unterdessen sind im Gebiet zwischen Malaysia und den Südphilippinen erneut drei Menschen von einer Ferieninsel entführt worden. Vier bewaffnete Philippiner verschleppten am Sonntagabend den Manager einer Hotelanlage, einen Tauchlehrer und einen Geschäftsmann von der malaysischen Urlauberinsel Pandanan Semporna vor der Küste von Borneo. Alle drei sind Malaysier. Die Kidnapper flüchteten in Richtung der philippinischen Tawi-Tawi-Inselgruppe südwestlich von Jolo, erklärte der Vizestabschef der philippinischen Streitkräfte, General Jose Calimlim am Montag.

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