Margrit Lichtinghagen : Streitbare Staatsanwältin wird versetzt

Die Juristin Margrit Lichtinghagen hatte im Fall Zumwinkel ermittelt. Hausintern wird ihr vorgeworfen, sich nicht mehr ausreichend an die Spielregeln der Behörde gehalten zu haben.

Jürgen Zurheide

Düsseldorf - Die Bochumer Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen ist im Februar einer breiten Öffentlichkeit durch das Foto bekannt geworden, auf dem sie bei der Festnahme von Postchef Klaus Zumwinkel hinter ihm seine Villa verließ. Zumwinkel wird sich im Januar vor dem Landgericht Bochum wegen Steuerhinterziehung verantworten müssen. Im Gerichtssaal wird Margrit Lichtinghagen nicht mehr Platz nehmen.

Hausintern wird ihr vorgeworfen, sich nicht mehr ausreichend an die Spielregeln der Behörde gehalten zu haben. So soll sie sich nicht mehr in jedem Fall mit ihren Vorgesetzten abgestimmt haben; hin und wieder hätten sie von der Anklageerhebung aus den Medien erfahren. „Das Verhältnis dort ist völlig zerrüttet“, wird auf den Fluren geraunt. Die Dame sollte deshalb in eine andere Abteilung versetzt werden. Da schrillten im Düsseldorfer Justizministerium die Alarmglocken.

Die dortige Ministerin, Roswitha Müller-Piepenkötter, steht ohnehin wegen einer Panne in Bochum unter Druck. Weil ein Bochumer Ermittlungsrichter einen Durchsuchungsbeschluss zwölf Stunden zu spät unterzeichnet hatte und die Verjährung eingetreten war, wird im Fall Zumwinkel ein Jahr seiner Steuerhinterziehung nicht mehr angerechnet. Die hinterzogene Steuersumme rutscht damit unter die magische Grenze von einer Million Euro. Hätte sie darüber gelegen, hätte Zumwinkel nicht mehr mit einer Bewährungsstrafe rechnen können.

Roswitha Müller-Piepenkötter wollte vermeiden, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, eine streitbare Anklägerin werde aus dem Verkehr gezogen. Sie bestellte die Bochumer Amtsleitung und den zuständigen Generalstaatsanwalt nach Düsseldorf und bestand auf gütlicher Einigung. Die salomonische Lösung: Margrit Lichtinghagen soll zur Staatsanwaltschaft Köln wechseln. So wird es kommen, es sei denn, die Bochumer siegen am Ende doch. Es gibt Andeutungen, sie müsse sich wegen dienstlicher Verfehlungen verantworten und könne dann ihre Wechselpläne vergessen. Fortsetzung folgt also.Jürgen Zurheide

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