Martenstein zum US-Wahlkampf : Was noch gegen Donald Trump spricht

Ein erfolgreicher Politiker muss sich nicht immer von Moral leiten lassen. Aber er sollte klug sein. Und am Schluss sind wieder die Medien schuld. Ein Kommentar

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Beifall für den Kandidaten - vom Kandidaten. Donald Trump ist offensichtlich mit sich zufrieden.
Beifall für den Kandidaten - vom Kandidaten. Donald Trump ist offensichtlich mit sich zufrieden.Foto: Mandel Ngan/AFP

Ähnlich wie mein von mir bewunderter Autorenkollege Machiavelli glaube ich, dass ein erfolgreicher Politiker sich nicht immer nur von der Moral leiten lassen darf. Aber er muss klug sein. Wenn Donald Trump bereits vor der Präsidentenwahl erklärt, die Wahl sei manipuliert, dann ist das vor allem blöd. Erstens sieht das so aus, als habe er sich mit der Niederlage abgefunden. Zweitens müsste er Indizien vorlegen, statt über die Medien zu jammern. Drittens gewinnt er mit dieser Bemerkung keine einzige Stimme, im Gegenteil. Drei Mal blöd.

Betonwand oder Styroporwand?

An Donald Trump kann man alles Mögliche beängstigend finden oder abstoßend. In der Liste der Gründe, die gegen Trump sprechen und oft genug erwähnt werden, fehlt meiner Ansicht nach ein wichtiger Punkt. Er scheint nicht besonders helle zu sein. Ein Mensch, der unbeherrscht ist, skrupellos, brutal und machtgeil, dabei aber auch intelligent, kann immerhin Kräfteverhältnisse analysieren und die Folgen seines Handelns erkennen. Das macht solche Leute beeinflussbar. Bevor ein intelligenter Mensch mit dem Kopf gegen eine Wand rennt, prüft er zum Beispiel, ob die Wand aus Beton ist oder aus Styropor.

Trump stand vor ein paar Monaten gut da, er lag in den Umfragen fast gleichauf mit Hillary Clinton, kurzzeitig sogar vorn. Die Aufgabe war klar und überschaubar. Er durfte seine eigenen Anhänger nicht verlieren, etwa, indem er seinen Stil zu sehr ändert, gleichzeitig musste er an die weiblichen, schwarzen und hispanischen Wähler ein paar Friedenssignale senden, um zumindest für eine nennenswerte Zahl von ihnen wählbar zu wirken.

Herrscherpaar Adrenalin und Testosteron

Die Wut aufs Establishment ist ja auch in diesen Kreisen verbreitet. Ein Balanceakt, wie er in der Politik Alltag ist. Das hat er nicht hingekriegt, nicht mal dieses einfache Ding, und deshalb kann ihn jetzt nur noch ein Wunder retten. In Trumps Kopf sitzt das Herrscherpaar Adrenalin und Testosteron so fest im Sattel wie Erdogan in der Türkei, das Denken hat keine Chance.

Man muss sich nur mal, im Vergleich, den schlauen, bei Bedarf charmanten Putin anschauen, wie er seit Jahren den Westen mit Versprechungen, Finten und Scheinzugeständnissen an der Nase herumführt, gut gemacht ist das schon. Beide, Trump und Putin, wollen ihre Länder wieder zu alter Größe führen, aber ohne ein bisschen Grips und Taktik geht das nicht. Brutalität alleine ist zu wenig. Ich glaube, dass ein dummer, vom eigenen Ego besoffener Herrscher die gefährlichste Variante ist, die es gibt. Putin rennt nur gegen Wände aus Styropor.

Falls aber Trump gewählt wird und einen Atomkrieg auslösen würde, was ihm mangels Intelligenz eher zuzutrauen wäre als Putin, dann steht jetzt schon fest, wem er die Schuld gibt. Natürlich den Medien.

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