Martenstein zur Videoüberwachung : Bilder von Verbrechern

Gegner der Videoüberwachung müssen sich fragen lassen, ob sie es für hinnehmbar halten, dass Obdachlose verbrannt werden - oder ob sie gewisse Schutzmaßnahmen tolerieren können.

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Ein Schild am Breitenbachplatz in Steglitz weist darauf hin, dass der U-Bahnhof per Video überwacht wird.
Ein Schild am Breitenbachplatz in Steglitz weist darauf hin, dass der U-Bahnhof per Video überwacht wird.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Gegner der Videoüberwachung, meist aus dem Lager der Grünen und der Linken, sagen: „Durch Videoüberwachung ist noch nie eine Tat verhindert worden.“ Ich weiß nicht, ob das stimmt. Sagen wir ruhig: Es stimmt. Brauchen wir also wirklich mehr Kameras in U-Bahnhöfen und auf öffentlichen Plätzen?

Sieben Jugendliche haben kürzlich in Berlin einen Obdachlosen angezündet und gingen sodann fröhlich ihres Weges. Die Täter wären vermutlich nie ermittelt worden, brauchbare Zeugen gab es keine, wohl aber eine Kamera, die Bilder in guter Qualität lieferte. Daraufhin stellten sich die jungen Männer.

Fest steht, dass durch Videoüberwachung in letzter Zeit oft Täter ermittelt werden konnten. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob das wirklich wünschenswert ist. Sollten nach einer Tat wie dem Angriff auf den Obdachlosen die Verursacher bestraft werden? Ich gebe gern zu, dass ich dies für wünschenswert halte. Warum eigentlich? Ich fürchte, ich muss es erklären.

Wenn jeder Täter in seinem Leben nur eine einzige Straftat begehen würde und anschließend seine kriminelle Karriere beendete, hätte das Argument der Grünen und der Linken etwas für sich. Rückgängig machen lässt sich eine Tat durch Bestrafung des Täters ja nicht, also, Schwamm drüber.

Leider begehen nicht wenige Straftäter mehrere Verbrechen, eins nach dem anderen, und es kommt auch nicht selten vor, dass die Intensität der Taten sich steigert. Das Gefängnis macht die Menschen nicht zwangsläufig besser, das weiß ich durchaus, und ich weiß auch, dass manche Menschen sich durch Angst vor Strafe nicht beeinflussen lassen. In einigen Fällen ist das allerdings passiert, solche Fälle sind dokumentiert.

Aber selbst wenn man der Ansicht ist, dass Gefängnis eher schadet, und dass man Kriminelle statt dessen einer intensiven Gesprächstherapie zuführen sollte – selbst dann muss man die Täter erst einmal haben, um irgendwie Einfluss auf sie nehmen zu können. Der Wunsch, Täter zu schnappen, hat also nicht zwangsläufig etwas mit dem Bedürfnis nach Rache zu tun. Es geht darum, künftige Opfer dieses Täters durch Arbeit an dessen Persönlichkeit vor ähnlichen oder noch schlimmeren Taten zu schützen – eine Garantie, dass dies gelingt, gibt es natürlich nie.

Die Gegner der Videoüberwachung müssen sich also fragen lassen, ob sie es für hinnehmbar halten, dass in Deutschland Obdachlose verbrannt werden, oder ob sie doch, vielleicht schweren Herzens, gewisse Schutzmaßnahmen des Staates tolerieren können. Andere Frage: Ist durch die Nürnberger Prozesse gegen die Obernazis eigentlich jemals irgendwo ein Faschismus verhindert worden? Niemand weiß es. Trotzdem war der Prozess richtig, aber vielleicht denkt die Linke da anders.

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