Martin Gehlen berichtet aus Kairo : Aufruhr in Ägypten

01.02.2011 08:11 UhrVon Martin Gehlen
  • Tanzen auch auf Panzern: Die Armee hat sich während der Proteste gegen Präsident Mubarak zurückgehalten. Nach dessen Rückzug feiern auch die Soldaten mit. - Foto: dpa
  • Zeitenwende am Nil: Nach fast 30 Jahren an der Macht hat der ägyptische Staatschef Hosni Mubarak dem Druck von Millionen Demonstranten nachgegeben und abgedankt. Das Militär... - Foto: dpa
  • Hosni Mubarak ist Geschichte. Der Platz der Befreiung bebt. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo feiern Tausende den Rücktritt des Präsidenten. - Foto: dpa

Mit einer neuen Massenkundgebung am Dienstag will die Opposition den Druck auf Staatschef Hosni Mubarak noch einmal erhöhen. Die Bundesregierung rät ab sofort von Reisen nach ganz Ägypten ab.

Eine Woche nach Beginn der Unruhen in Ägypten hat die Opposition den Druck auf die Regierung von Präsident Hosni Mubarak verstärkt. Die Bewegung rief das Volk für diesen Dienstag zu einem Generalstreik und einem „Marsch der Million“ auf. Nach Plänen der Organisatoren will die Menge von dem Tahrir-Platz im Zentrum von Kairo zu dem Präsidentenpalast in Heliopolis ziehen. Am Abend gab es erste Hinweise, dass der 82-jährige Diktator den Rückhalt seiner Armee verliert. Ein Militärsprecher nannte die Forderungen der Demonstranten legitim und erklärte, die Soldaten würden nicht mit Gewalt gegen das eigene Volk vorgehen.

Im Gegenzug gab der neu ernannte Vizepräsident Omar Suleiman im Fernsehen bekannt, die Führung sei bereit, sich mit allen politischen Kräften des Landes an einen Tisch zu setzen.

Israel forderte die USA und europäische Länder zur Unterstützung Mubaraks auf.

Unbestätigten Berichten zufolge soll es eine Gegendemonstration zum "Marsch der Millionen" geben, bei der sich regimetreue Kräfte versammeln wollen.

Die Bundesregierung rät ab sofort von Reisen nach ganz Ägypten ab. Dies sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Dienstag in Berlin. Die verschärfte Reisewarnung gilt auch für die Touristengebiete am Roten Meer.

Mubarak vereidigte am Montag das neue Kabinett, dem fast alle bisherigen Minister wieder angehören. Abgelöst wurde allerdings der verhasste Innenminister Habib el Adli, sein Nachfolger ist General Mahmud Wagdi. Neuer Geheimdienstchef wurde General Murad Mowafi, nachdem der bisherige Chef Suleiman zum Vizepräsidenten ernannt worden war. In Kairo kam es trotz Ausgangssperre erneut zu Protesten. Mehr als 100.000 Menschen versammelten sich auf dem Tahrir-Platz. Viele zeigten sich entschlossen, bis zu einem Rücktritt Mubaraks dort auszuharren. Freiwillige kontrollieren die Ausweise aller Ankommenden, um Polizisten und Geheimpolizisten den Zutritt zu verwehren. Der Platz ist weiter von Panzern umringt. Soldaten hinderten die Menschen aber nicht am Weiterkommen.

Die Kommunikation über das Internet ist in Ägypten inzwischen nahezu unmöglich geworden. In der Nacht zu Dienstag sperrte das Regime auch den letzten noch funktionierenden Internet-Provider. Der Internetkonzern Google will der ägyptischen Opposition bei der Kommunikation helfen. Wie das Unternehmen im kalifornischen Mountain View in seinem Firmenblog mitteilte, soll es möglich sein per Telefonanruf zu twittern.

Die Nachricht müsse als Voicemail bei den internationalen Rufnummern +1 650 419 4196 oder +39 06 62 207 294 oder +97 316 199 855 hinterlassen werden. Die Nachrichten würden dann mit dem Schlagwort „egypt“ augenblicklich bei Twitter veröffentlicht. Sie können über dieselben Nummer empfangen oder über twitter.com/speak2tweet gehört werden.

Israel warnt angesichts der Unruhen in Ägypten vor einer Machtübernahme radikaler Islamisten. Staatspräsident Schimon Peres sagte nach Angaben des israelischen Armeesenders, die Herrschaft religiöser Fanatiker wäre nicht besser als ein Mangel an Demokratie unter dem ägyptischen Präsidenten Mubarak. „Wir hatten und haben immer noch großen Respekt für Präsident Mubarak“, sagte Peres in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme zu den Unruhen in Ägypten.

Bei den deutsch-israelischen Regierungskonsultationen drängte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Israel zu weiteren Fortschritten im Nahost-Friedensprozess. Angesichts der aktuellen Lage sei es in Israels Interesse, den Prozess zu beschleunigen, sagte sie bei einem Gespräch mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem. Beide Politiker reagierten mit Sorge auf die Entwicklung im Nachbarland, hieß es nach Angaben aus Regierungskreisen. mit AFP/dpa/rtr

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite