Martin Lohmann, CDU : "Der CDU droht ein Vakuum"

Der Abweichler Martin Lohmann über die Aktion "Linkstrend stoppen", christliche Werte und die Kanzlerin.

Sebastian Bickerich
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Foto: Ulrich Baumgarten/Vario imagesvario images

Erst gründen Sie einen Arbeitskreis Engagierter Katholiken (AEK), jetzt wollen sie einen „Linkstrend“ stoppen – fühlen Sie sich in der CDU überhaupt noch wohl?



Aber natürlich. Ich glaube nur, dass sich unsere Partei wieder stärker Debatten öffnen und streiten muss. Es fehlt eine lebendige und faire Streit- und Dialogkultur. Und echte Vielfalt. Heiner Geißler hat einmal gesagt, wenn alle dasselbe denken, wird nicht mehr viel gedacht. Das sehe ich genauso.

Warum unterstützen sie die Aktion „Linkstrend stoppen“?

Weil das Anliegen berechtigt ist. Nicht nur engagierte Katholiken suchen die politische Beheimatung in unserer Partei. Viele hören die konservativen Stimmen in der CDU nicht mehr. Stattdessen erleben wir einen Linksruck, der die Partei erfasst hat: In Fragen der Gesellschaftspolitik, der Homo-Ehe, beim Lebensschutz …

… auch in der Frage der Vertriebenen?

Ja, das hat viele Mitglieder irritiert. Erika Steinbach ist eine angesehene Demokratin. Insbesondere die Art und Weise, wie die FDP mit ihr umging, war beschämend. Gelegentlich hätten wir uns aber auch aus unserer Partei mehr Rückhalt für sie gewünscht.

Könnten AEK und die Aktion „Linkstrend stoppen“ der Nukleus für eine neue, konservative Partei werden?

Nein, wir wollen Vielfalt und Profil innerhalb unserer CDU. Wenn die Mitte aber noch weiter nach links rückt, dann bekommen wir irgendwann ein Vakuum. Die damit verbundene Gefahr für die CDU sollte man nicht unterschätzen. Die Parteiführung sollte das zur Kenntnis nehmen. Arrogantes Wegdrücken und Niederschweigen berechtigter Kritik wäre der falsche Weg. Und ein gefährlicher. Deshalb wollen wir ja die Partei von innen verbreitern und stärken.

Gibt es inzwischen einen Termin für das Gespräch mit Angela Merkel und dem AEK?

Wir haben eine Gesprächszusage für das erste Quartal. Auf das Gespräch mit unserer Parteivorsitzenden freuen wir uns. Wir sollten uns gegenseitig respektieren und trotz aller Verschiedenheit gemeinsam Profil und Stärke zeigen.

Martin Lohmann (52) ist Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken (AEK) in der CDU. Der Bonner Publizist gründete den AEK im November 2009.

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