Politik : Martinon, non, non

Sarkozys Sprecher möchte Bürgermeister werden – doch die Basis will nicht

Albrecht Meier

Berlin - Zehn Monate nach dem Amtsantritt von Nicolas Sarkozy muss Frankreichs Regierung im kommenden Monat ihren ersten Test bestehen. Bei den Kommunalwahlen wird sich zeigen, wie die Politik des Staatsoberhaupts im Volk ankommt. Seit Wochen befindet sich Sarkozy in den Meinungsumfragen im freien Fall. Dass es ihm zudem nicht immer gelingt, die Basis der konservativen Regierungspartei UMP unter Kontrolle zu halten, wurde am Wochenende deutlich. Am Sonntag teilte die UMP-Spitze im feinen Pariser Vorort Neuilly mit, dass sie künftig mit einer eigenen Liste in den Wahlkampf ziehen will. Mit diesem Schritt will die Basis Sarkozys Sprecher David Martinon als Kandidaten für den Bürgermeisterposten von Neuilly loswerden. Sarkozy selbst hatte ihn als UMP-Spitzenkandidaten auserkoren.

Nun wäre die Sache nicht weiter der Rede wert, wenn der 36-jährige Martinon irgendein aufstrebender Jungpolitiker und Neuilly irgendeine französische Kommune wäre. Das ist sie aber nicht. In Neuilly begann Sarkozy vor über zwei Jahrzehnten seine politische Karriere – übrigens mit einem parteiinternen Putsch gegen den damaligen angestammten Bürgermeisterkandidaten Charles Pasqua, der später Innenminister wurde. Dass Sarkozy es bekanntlich noch viel weiter nach oben schaffte, hat er unter anderem dem Pariser Vorort Neuilly zu verdanken. Während der 19 Jahre, in denen er dort im Rathaus regierte, knüpfte er ein Netzwerk zu den einflussreichen Magnaten aus dem Millionärsvorort. Darunter sind der Bauunternehmer Martin Bouygues, die Rüstungsindustriellen Serge Dassault und Arnaud Lagardère sowie der Milliardär Vincent Bolloré – Wirtschaftsbosse, die über erheblichen Einfluss in Frankreichs Medien verfügen.

Im vergangenen September stellte Sarkozy der verdutzten Parteibasis in Neuilly seinen Sprecher Martinon als Kandidaten für die Kommunalwahlen vor. In Frankreich ist es nicht unüblich, ortsfremde Bürgermeisteranwärter von oben herab – also von Paris – als Spitzenkandidaten auf die Parteilisten zu setzen. Doch im Fall von Martinon, der seinen politischen Aufstieg unter anderem Sarkozys Ex-Frau Cécilia verdankt, ging diese als „Parachutage“ (Fallschirmabsprung) bezeichnete Übung von Anfang an schief. Zunächst empfing die UMP-Basis in Neuilly den Élysée-Sprecher im Herbst mit hämischen „Martinon, non, non!“-Rufen. Und am Samstag veröffentlichte die Zeitung „Le Figaro“ eine Umfrage, wonach Martinon beim Rennen um das Rathaus von Neuilly eine Niederlage einstecken würde.

Die Angst vor einem Verlust der Sarkozy-Hochburg geht bei der konservativen Regierungspartei so weit, dass sich auch treue Martinon-Anhänger inzwischen von dem Élysée-Sprecher abwenden. Unter ihnen ist auch Sarkozys 21-jähriger Sohn Jean. Der Jurastudent, der offenbar in die politischen Fußstapfen seines Vaters treten will, hatte noch vor einigen Wochen die Wahlkampftrommel für Martinon gerührt. Doch diese Zeiten sind jetzt – angesichts der schlechten Umfragewerte des Sprechers aus dem Élysée-Palast – passé.

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