Marxisten-Kongress : Lafontaine gibt sich links und trotzig

Stargast. Lafontaine beim Kongress des linken Netzwerkes Marx 21 in Berlin. Foto: dapd
Stargast. Lafontaine beim Kongress des linken Netzwerkes Marx 21 in Berlin. - Foto: dapd

Der Ex-Linken-Chef Oskar Lafontaine besuchte als Stargast Trotzkisten-Kongress in Kreuzberg und bezeichnet dort Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Linke als "beschränkt".

Jetzt ist Oskar Lafontaine angekommen, ganz links in der Linkspartei. Donnerstagabend, Alte Feuerwache in Berlin-Kreuzberg. Das Netzwerk Marx 21 erwartet den Ex-Vorsitzenden als Stargast beim Kongress "Marx is Muss". Der Andrang ist groß, alle Räume sind zu klein. Stühle werden hinausgeschleppt auf den Sportplatz im Hof. Lafontaine kokettiert mit dem Interesse an seiner Person. Er habe gedacht, an diesem Abend würden, wie beim ihm daheim im Saarland, alle grillen wollen.

Aber im Hof der Alten Feuerwache ist nun unter den paar hundert Zuhörern gar niemand, der Lafontaine grillen will, im Gegenteil.

Die hessische Bundestagsabgeordnete Christine Buchholz, preist den Gast als die wohl einzig "wirklich wichtige" Person in der Linken, als Garanten für eine glaubhafte und starke antikapitalistische Partei. "Wir lieben ihn", ruft Buchholz ins Mikrofon, selbst eine der Koordinatorinnen des Netzwerkes Marx 21, der laut Verfassungsschutz aktivsten trotzkistischen Organisation in Deutschland. Am Ende der Veranstaltung wird sie alle einladen, sich an den Ständen noch Informationen zu holen "über Marx, über Engels, über Oskar" und ihr "ominöses Netzwerk".

Manchen in der Partei hatte es verwundert, dass sich Lafontaine ausgerechnet bei Marx 21 aufs Podium setzt. Das Netzwerk mit nach eigenen Angaben rund 500 Unterstützern ist die Nachfolgeorganisation der trotzkistischen Sekte Linksruck. Es übt vor allem über die Parteiströmung Sozialistische Linke und den Studentenverband Die Linke/SDS Einfluss aus. Lafontaine selbst macht gleich klar, dass er nicht seinen Auftritt merkwürdig findet, sondern die Fragen danach. Von wegen Unterwanderung. Einflussnahme sei in Parteien normal, er übe sie ja auch aus. Und wenn Sigmar Gabriel die Reformer der Linken zu sich holen wolle, dann sei der SPD-Chef wohl auch ein "verkappter Trotzkist"? Gelächter.

Immer wieder hat auch Marx 21 antisemitische Ressentiments befördert – etwa die Gaza-Flottille verteidigt. Selbstverständlich müsse man wachsam sein, gibt Lafontaine erst zu. Allerdings der Linken "Antisemitismus anzudichten, ist doch das Beschränkteste, was man tun kann". Dann spult der Spitzen-Linke sein übliches Programm ab – Generalstreik, Glaubwürdigkeit, Grüne auf dem Irrweg. "Wer die Systemfrage nicht stellt, verfehlt das Thema." Danach wird diskutiert. Einer aus dem Publikum leitet seine Frage mit dem Satz ein "Oskar ist nicht mehr da." Lafontaine schaut irritiert auf, er deutet mit dem Finger auf den Tisch vor sich. Er ist doch da, das ist seine Botschaft. Er wirkt überzeugt davon, dass das auch seine Gegner noch zu spüren bekommen werden.

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