• Massaker an den Nama und Herero: Bundesregierung bewertet Vorgänge in Namibia als Völkermord

Massaker an den Nama und Herero : Bundesregierung bewertet Vorgänge in Namibia als Völkermord

Als erstes Mitglied der großen Koalition hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier gesagt, dass er den Vernichtungskrieg deutscher Kolonialtruppen vor mehr als hundert Jahren im heutigen Namibia als Völkermord ansieht.

Vor mehr als hundert Jahren ermordeten deutsche Soldaten tausende Einwohner der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika.
Vor mehr als hundert Jahren ermordeten deutsche Soldaten tausende Einwohner der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika.Foto: dpa

Die Bundesregierung bewertet die vor über 100 Jahren begangenen Massaker an den Nama und Herero in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika als Völkermord. Dies sei „die Geisteshaltung und Grundlage“, mit der die Bundesregierung seit einem Jahr offiziell Gespräche mit Namibia in dieser Frage führe, sagte Außenamtssprecher Martin Schäfer am Freitag vor Journalisten in Berlin. Bei den Gesprächen gehe es um ein gemeinsames Verständnis der Geschehnisse. Auf dieser Grundlage sollten Projekte entwickelt werden, um den „noch heute spürbaren Folgen“ der Gräueltaten zu begegnen.

Auf die Frage, ob es eine offizielle Entschuldigung geben werde, bat Schäfer um Geduld bis zum Abschluss der Verhandlungen. Ein Termin hierfür sei noch nicht absehbar. Ziel sei es, gemeinsam würdige Wege des Gedenkens zu finden, um auf dieser Grundlage die Zukunft zu gestalten. Schäfer zitierte einen Antrag der SPD-Fraktion vom 20. März 2012, in dem die Bundesregierung aufgefordert wurde, anzuerkennen, „dass der Vernichtungskrieg in Namibia von 1904 bis 1908 ein Kriegsverbrechen und Völkermord war“. Der Antrag fand damals keine Mehrheit. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte ihn seinerzeit als Oppositionspolitiker unterschrieben.

Nach Schäfers Worten gibt der Text unverändert die Einschätzung des Ministers wider. Namibia war unter dem Namen Deutsch-Südwestafrika zwischen 1884 und 1915 deutsche Kolonie. Immer wieder kam es in dieser Zeit zu Auseinandersetzungen zwischen den deutschen Kolonialherren und der einheimischen Bevölkerung. Die Konflikte kulminierten in einem grausamen Vernichtungskrieg, bei dem zwischen 1904 und 1908 Zehntausende Angehörige der Herero und Nama ums Leben kamen. Seit einiger Zeit fordern Politiker und Aktivisten eine Anerkennung der Massaker als Genozid. Am Montag hatte das Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“ einen entsprechenden Appell im Bundespräsidialamt abgegeben. (KNA)

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