Massaker in Syrien : UN-Beobachtern bietet sich ein Bild der Zerstörung

Zerschossene Häuser, Patronenhülsen, Blutlachen: UN-Beobachter haben im syrischen Dorf Tremseh nach Spuren des jüngsten Armee-Angriffs gesucht. Der Attacke richtete sich offenbar primär gegen Deserteure und Anti-Assad-Aktivisten.

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Den UN-Beobachtern bot sich ein Bild von Tod und Zerstörung: zerschossene Häuser, eine ausgebrannte Schule, Blutlachen und Patronenhülsen. „Eine breites Spektrum an schweren Waffen wurde eingesetzt – darunter Artillerie, Mörser und Handfeuerwaffen“, erklärte die Sprecherin der UN-Blauhelme, Sausan Ghosheh. Zuvor war das internationale Team 48 Stunden lang von syrischen Soldaten in einiger Entfernung vor dem Dorf Tremseh aufgehalten worden. Erst am Samstag und Sonntag durften die UN-Vertreter dann den Ort des Massakers in Augenschein nehmen.

„Wir können bestätigen, dass es hier am 12. Juli eine militärische Operation gab. Der Angriff galt offenbar spezifischen Gruppen und bestimmten Gebäuden – vor allem von Deserteuren und Aktivisten”, erklärte Ghosheh und rückte damit Meldungen der Opposition zurecht, es habe sich um ein Massaker ausschließlich an Zivilisten gehandelt. Menschenrechtsorganisationen beziffern die Zahl der Toten auf 100 bis 150, alles Männer.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London veröffentlichte eine Liste mit 103 Namen, darunter 50 Deserteure. Videos zeigten blutüberströmte Leichen von jungen Männern in T-Shirts und Jeans.

Bildergalerie: Blutiger Aufstand gegen Assad

Blutiger Aufstand gegen Assad
18. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.Weitere Bilder anzeigen
1 von 99Foto: AFP
18.07.2012 16:0418. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.

Nach Aussagen von Überlebenden wurden sie nach Ende der Kämpfe von Shabiha-Milizionären des Regimes regelrecht abgeschlachtet. Die UN-Beobachter am Ort konnten keine gesicherten Angaben über die Zahl der Opfer machen, von denen Dutzende inzwischen in Massengräbern beerdigt wurden.

Augenzeugen berichteten, dass sich viele Leichen noch unter den Trümmern der Häuser oder auf umliegenden Feldern befinden. Da die UN-Blauhelme das in der Provinz Hama gelegene Dorf am Orontesfluss nur in Begleitung syrischer Soldaten inspizieren durften, konnten sie keinen Kontakt zur lokalen Bevölkerung aufnehmen. Seit dem Angriff ist die Ortschaft von der Armee komplett abgeriegelt.

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