Massenexodus : Zehntausende fliehen vor Fremdenhass in Südafrika

56 Tote, bis zu 50.000 Menschen auf der Flucht: Nach den fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Südafrikas Townships hält die Polizei die Lage nun für "unter Kontrolle".

Südafrika
Ungewisse Zukunft. Zehntausende Flüchtlinge verlassen Südafrika. -Foto: dpa

Pretoria/JohannesburgNach der zweiwöchigen fremdenfeindlichen Gewalt in Südafrika herrschte am Montag in den Townships gespannte Ruhe. Die Polizei erklärte, die Lage sei nun unter Kontrolle. Sie präsentierte eine neue Opferbilanz, wonach seit dem Ausbruch der Übergriffe auf afrikanische Zuwanderer im Johannesburgs Armenviertel Alexandra vor zwei Wochen 56 Menschen getötet, hunderte verletzt und zehntausende vertrieben wurden. 440 Häuser brannten ab, 342 Läden wurden geplündert. Präsident Thabo Mbeki hatte am Vorabend in einer Rede an die Nation die Gewalt als "absolute Schande" verurteilt.

Während die Flucht tausender Ausländer anhielt, wurde in der Touristenmetropole Kapstadt über die Behandlung der bis zu 18.000 Vertriebenen gestritten. Bürgermeisterin Helen Zille forderte das Militär auf, Vertriebene, die in Townships zurückkehren wollten, zu schützen. Während nach Rotkreuz-Angaben bis zu 25.000 Simbabwer nach Sambia ausreisen wollen, wurde die Zahl der nach Mosambik fliehenden Menschen auf 26.000 geschätzt. Hilfsorganisationen beklagten, dass in den Notunterkünften erste Infektionskrankheiten um sich griffen.

Flüchtlingsstrom könnte weiter steigen

Das malawische Informationsministerium teilte mit, allein am Montag hätten sich 3000 Malawier in Südafrika auf Listen für eine Rückkehr in ihr Herkunftsland eingetragen. Abhängig von der Lage in Südafrika könne die Zahl weiter steigen. Auch rund 26.000 Mosambikaner haben Südafrika bereits verlassen. Seit Beginn der ausländerfeindlichen Angriffe in Südafrika vor zwei Wochen wurden laut Hilfsorganisationen rund 35.000 Menschen vertrieben.

Rund 750 in Südafrika lebende Flüchtlinge versammelten sich vor der UN-Vertretung in Pretoria und baten die Vereinten Nationen um Hilfe. "Die meisten stammen aus Somalia, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo", sagte ein Sprecher des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR). Es handele sich um Menschen aus Krisenregionen, die in Südafrika einen Flüchtlingsstatus haben. Nach Angaben des UN-Sprechers wurden sie mit Bussen an einen Zufluchtsort in die Vorstädte von Pretoria gebracht.

Im Zuge der Ausschreitungen wurden nach Regierungsangaben 1340 Menschen festgenommen. Geheimdienstminister Ronnie Kasril betonte, die Sicherheitskräfte würden schnell auf mögliche neue Gewaltausbrüche reagieren. (ho/AFP/dpa)

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