Politik : Massenmord als Kriegstaktik

Auch in Liberia werden Massaker als Mittel der Politik eingesetzt

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Nairobi. In europäischen Medien wird oft das Bild von Afrika als Schauplatz der Massaker widergespiegelt. Doch der Völkermord in Ruanda 1994 war einzigartig in seiner Planung und der hohen Opferzahl. Das massenhafte Ermorden von Zivilisten ist häufig Kriegstaktik. Jüngste Meldungen aus Liberia deuten auf ein erneutes Massaker hin: Der liberianische Rundfunk zitiert den Armeegeneral Benjamin Yeaten mit den Worten, dass in Bahn im Nimba-Bezirk im Nordosten des Landes offenbar bis zu 1000 Menschen ermordet worden seien. Der Nimba-Bezirk galt lange als Hochburg von Charles Taylor, der mittlerweile im Exil in Nigeria lebt.

Eine westafrikanische Eingreiftruppe sichert den Frieden in Liberias Hauptstadt Monrovia, doch in den übrigen Landesteilen wird immer noch gekämpft zwischen der Regierungsarmee sowie den Lurd-Rebellen und den Rebellen der Gruppe Model (Mouvement for Democracy in Liberia). Model wird vom Staatsrundfunk als Urheber des Massakers bezichtigt, doch eine unabhängige Bestätigung für diese Meldung liegt nicht vor.

Massaker an Zivilisten gehören an vielen Kriegsschauplätzen in Schwarzafrika zum grausamen Alltag. Im Ostkongo in der Provinz Ituri sind bei ethnischen Kämpfen Tausende von Menschen ermordet worden, das Gleiche gilt für Sierra Leone, den Sudan, für den Norden von Uganda und in geringerem Maße auch für Elfenbeinküste. In den Buschkriegen von Rebellenarmeen gegen schlecht ausgerüstete oder schlecht motivierte Regierungsarmeen werden Zivilisten oft die Opfer in einem schmutzigen Krieg, bei denen Kombattanten von der Haager Landkriegsordnung, also vom Kriegsrecht, wenig oder nichts wissen. Zivilisten werden zu Kriegsdiensten gepresst oder müssen Material oder Nahrung stellen, bei Widerstand werden sie massakriert oder ihre Dörfer werden abgebrannt.

Dem Genozid 1994 in Ruanda gingen jahrzehntelange Spannungen zwischen den Ethnien der Hutu und der Tutsi voraus. Der Völkermord wurde planmäßig von einer Hutu-Regierung vorbereitet, deren Sympathisanten teilweise den Hass gegen die andere Ethnie predigten und ihre Ausrottung „empfahlen“. Als das Flugzeug des Hutu-Präsidenten Habyarimana am 6. April 1994 von Unbekannten abgeschossen wurde, entzündete sich der Gewaltfunken – und binnen 100 Tagen wurden 800 000 Tutsi und gemäßigte Hutu umgebracht. chl

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