Massenparty : FDP fordert Facebook zum Handeln auf

Nahezu jedes Wochenende gibt es neue Nachrichten über massenhaft besuchte Facebook-Partys. Die Polizei ruft nach dem Gesetzgeber. Und die FDP sieht Facebook am Zug.

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04.06.2011 08:55Danke Thessa! Schön, wenn man so viele Freunde hat...

Die 16-jährige Thessa aus Hamburg sollte sich für Ende November Anfang Dezember nicht allzu viel vornehmen. Denn vermutlich wird sie jede Sendung zu den "Menschen des Jahres" besuchen müssen. Schließlich hat sie mit einem falschen Klick für Schlagzeilen gesorgt. Die Einladung zu ihrem 16. Geburtstag hat sie nicht nur an ihre echten Facebook-Freunde verschickt, sondern der gesamten Facebook-Gemeinde zugänglich gemacht. Die Folge: Es wurde keine kleine Haus-Party, sondern über 1000 Gäste kamen. Die Vorgärten der Nachbarn wurden verwüstet, Mülltonnen brannten, es gab zahlreiche Festnahmen. Seither vergeht kaum ein Wochenende, an dem nicht von einer Facebook-Party die Rede ist. So beispielsweise in Wuppertal, wo mehrere hundert Personen der Einladung eines anonymen Facebook-Nutzers folgten. Es kam zu Ausschreitungen. Dabei wurden nach Polizeiangaben 16 Personen verletzt. 41 Personen kamen in Gewahrsam. Die Stadt hat mittlerweile eine für den 1. Juli geplante Party, zu der ebenfalls über Facebook aufgerufen wurde, abgesagt. Aufmerksamkeit erlangte auch der Aufruf zu einer öffentlichen Schlägerei - initiiert von zwei Mädchen aus dem niederbayerischen Zwiesel.

Für Wolfgang Bosbach, CDU-Innenexperte durchaus ein ernstzunehmendes Phänomen. "Hier zeigt sich symbolhaft, welche kommunikative Revolution wir zurzeit erleben: Wofür früher ein riesiger Aufwand mit Einladungskarten und Briefen notwendig war, reicht heute ein Klick, um tausende Menschen zu erreichen", sagte Bosbach dem Tagesspiegel. Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert die Politik bereits zum Handeln auf. Sie sieht die Beamten durch Demonstrationen, Fußballspiele und nun auch noch diverse Facebook-Partys an den Rand ihrer Kapazität gekommen. Außerdem herrsche juristische Unsicherheit, weil unklar sei, wer haftet. Bosbach äußert Verständnis für die Forderung der Polizei. "Natürlich dürfen die Auswüchse dieser Entwicklung nicht auf dem Rücken der Polizei, der Nachbarn oder der Allgemeinheit ausgetragen werden", sagt Bosbach. Gleichzeitig sieht er den Gesetzgeber nicht am Zug. "Die Gesetze sind vorhanden, nur muss man sie jetzt auch auf dieses neue Phänomen anwenden", sagte Bosbach. Es gehe um die "Sensibilisierung für die Tragweite des eigenen Handelns". So könne niemand dafür verantwortlich gemacht werden, wenn eine Party "unvorhersehbar" aus dem Ruder laufe. Das sei ähnlich wie bei Fußballspielen oder Demonstrationen. "Wenn dort alles ordnungsgemäß läuft und sich plötzlich ein paar Randalierer unter die Fans oder Demonstranten mischen, kann der Veranstalter da nicht haftbar gemacht werden", sagt Bosbach. Allerdings müsse einem schon bewusst sein, welche Folgen es habe könne, "wenn man in seine Doppelhaushälfte Tausende Gäste einladen will", sagt Bosbach. Außerdem trage man eine Verantwortung, wenn sich bereits im Vorfeld herausstellt, dass der Veranstaltungsort zu klein oder die Gäste gewaltbereit seien. Bosbach sieht aber durchaus eine neue Herausforderung für Polizei und Justiz. "Es besteht die Gefahr, dass jetzt immer mehr Leute testen wollen, wie weit man gehen kann."

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