Politik : Massenprotest gegen Prodi

Paul Kreiner

Rom - Mit einer Massendemonstration gegen die Regierung Prodi hat Silvio Berlusconi seinen Führungsanspruch in der italienischen Opposition sowie seine Forderung nach Rückkehr an die Macht bekräftigt. An der Kundgebung vor der Lateran-Basilika in Rom nahmen nach Polizeiangaben am Samstag mehr als 700 000 Menschen teil; Berlusconi selbst sprach von zwei Millionen.

Die Demonstration stand unter dem Motto „Gegen das Regime – für die Freiheit“ und prangerte die Steuer- und Wirtschaftspolitik der Mitte-Links-Regierung von Romano Prodi an. Aber während die Massen in frenetische „Silvio! Silvio!“-Rufe ausbrachen, ging Berlusconis Parteienbündnis entzwei. Die zentristischen Christdemokraten, die bis April zusammen mit Berlusconi regiert hatten, sagten sich aus seinem „Haus der Freiheiten“ los. Sie werfen Berlusconi vor, außer Slogans und Personenkult keine Perspektiven zu bieten.

Der bis zum vergangenen April amtierende Parlamentspräsident Pier Ferdinando Casini kritisierte Berlusconis „Freiheitsmantra“ als verfehlt: „Es geht so weit, sogar die Steuerhinterziehung zu legitimieren“, sagte Casini. In bewusstem Gegensatz zur römischen Massendemonstration veranstalteten die Christdemokraten eine eigene Kundgebung in Palermo, an der mindestens 10 000 Menschen teilnahmen.

Berlusconi selbst machte nach seinem Schwächeanfall vom 26. November und einem viertägigen Krankenhausaufenthalt vor seinen Fans wieder einen stabilen Eindruck. Zu seiner politischen Zukunft sagte der 70-Jährige lediglich, er werde „nicht nachgeben“. Gleichzeitig glauben Beobachter in Rom bereits die Entscheidung für einen Nachfolger registriert zu haben: Mit ausdrücklicher Empfehlung Berlusconis trat nach ihm Gianfranco Fini auf, der Chef der rechtskonservativen Alleanza Nazionale. Beide bekräftigten ihren Einsatz für eine „einheitliche Mitte-rechts-Partei“. Dies aber kann – nach dem Ausscheiden der Christdemokraten – nur ein Gebilde aus Finis Alleanza Nazionale und Berlusconis Forza Italia werden. Da es in Letzterer außer Berlusconi nicht eine einzige Führungspersönlichkeit gibt, stünde die Forza Italia nach einem Ausfall ihres Gründers verwaist und ohne Existenzberechtigung da.

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