• Massenproteste gegen Belagerung von Ararat Tausende demonstrieren in den Autonomiegebieten für den Palästinenserpräsidenten

Politik : Massenproteste gegen Belagerung von Ararat Tausende demonstrieren in den Autonomiegebieten für den Palästinenserpräsidenten

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Ramallah (AFP/dpa/rtr). Die israelische Armee hat mit der Sprengung des von ihr belagerten Amtssitzes von Palästinenserpräsident Jassir Arafat gedroht und damit in den Autonomiegebieten Massenproteste ausgelöst. Im Westjordanland und im Gazastreifen gingen in der Nacht zum Sonntag und im Laufe des Tages in fast allen großen Orten insgesamt mehrere tausend Palästinenser für Arafat auf die Straße. Durch Schüsse israelischer Soldaten wurden dabei vier Palästinenser getötet und Dutzende verletzt. Am Sonntagabend zogen sich die Bulldozer aus der unmittelbaren Umgebung des Amtssitzes Arafats zurück.

Augenzeugen zufolge riss die Armee am Sonntag ein Regierungsbüro ab sowie einen Trakt mit einem Konferenzraum, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Arafats Gebäude befindet. Arafat zeigte sich trotz der Belagerung unbeugsam. Palästinensische Spitzenpolitiker äußerten indes die Befürchtung, dass der Amtssitz wegen der Sprengungen und Erschütterungen in unmittelbarer Nähe einstürzen könne. Ungeachtet der vom israelischen Militär verhängten Ausgangssperre wurden in Ramallah Flugblätter verteilt, in denen zu neuerlichen Solidaritätskundgebungen mit Arafat aufgerufen wurde.

Das Gebäude, in dem sich Arafat aufhält, wurde von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten. Zudem wurden alle Telefonleitungen gekappt. Ein hochrangiger Palästinenservertreter teilte über Handy aus dem Gebäude mit, auch die Klimaanlage in Arafats Amtsräumen funktioniere nicht mehr.

Arafats zurückgetretener Finanzminister Ghassan Chatib sagte, Arafat werde die Forderung der israelischen Armee, 20 von ihr als „Terroristen“ bezeichnete Palästinenser auszuliefern, „niemals“ erfüllen. Das wäre „politischer Selbstmord“. Laut Chatib übergab die israelische Seite keine Liste mit den n der von ihr gesuchten Palästinenser. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte dazu, die betreffenden Männer wüssten selbst über ihre „Verwicklung in terroristische Aktivitäten“ Bescheid. Israel hat unter anderen den Geheimdienstchef im Westjordanland, Taufik Tirawi, und den Kommandeur von Arafats Leibgarde „Force 17“, Mahmud Damra, im Visier.

Nach Angaben des israelischen Rundfunks rechnete die Armeeführung damit, dass Arafat und seine Getreuen binnen 48 Stunden kapitulieren würden. Verteidigungsminister Benjamin Ben Elieser sagte, es sei nicht beabsichtigt, Arafats Amtssitz zu stürmen. Am Samstagabend drohte das Militär mit einer „riesigen Explosion“ und befahl über Lautsprecher in arabischer Sprache, das von Panzern und Soldaten umzingelte Haus mit erhobenen Händen zu verlassen. Arafat und seine Gefolgsleute weigerten sich aber, dem Befehl Folge zu leisten. Der 73-jährige Arafat erklärte, er werde sich „niemals ergeben“.

Als Reaktion auf die Drohung des Militärs sammelten sich überall in den Autonomiegebieten empörte Menschen. In Ramallah schlossen sich Einwohner einer Gruppe westlicher Friedensaktivisten auf dem Weg zu Arafats eingekesseltem Hauptquartier an. In Nablus gingen etwa 2000 Menschen auf die Straße, im nahegelegenen Flüchtlingscamp Balata waren es ebenso viele. Auch in Jericho, Bethlehem, Dschenin und Orten im Gazastreifen gab es Kundgebungen.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) rief Israelis und Palästinenser eindringlich zur Mäßigung auf. Die EU verurteilte die seit Donnerstagabend andauernde Belagerung als „kontraproduktiv“. Nach Frankreich forderte auch Russland die Aufhebung der Blockade. Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien und Iran sagten Arafat ihre Unterstützung zu.

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