Massenproteste in Birma : Tränengas, Schlagstöcke, Schüsse

Sie würde die Proteste nicht dulden, hatte die birmanische Militärjunta gedroht - nun hat sie Ernst gemacht. Die friedliche Demonstration der Mönche endete mit Toten und Verletzten.

Kristina Rich[dpa]
Birma
Soldaten blockieren eine Straße zum Zentrum von Rangun. -Foto: AFP

RangunTränengasschwaden ziehen durch die Straßen von Rangun. Dort, wo zehntausende Mönche in den Tagen zuvor friedlich demonstriert hatten, herrscht heute über weite Strecken gähnende Leere. Mit Schlagstöcken und Schilden bewaffnet sind grün uniformierte Soldaten in der birmanischen Metropole aufgezogen. Mit Tränengas "säubern" sie die Zugänge zur Shwedagon-Pagode, dem buddhistischen Heiligtum der größten Stadt Birmas und zugleich Ausgangspunkt der friedlichen Revolte der Mönche.

Ein ähnliches Bild bietet sich an der Sule-Pagode, bislang stets Ziel der Demonstranten. Hinter den Barrikaden der Militärs drängt sich in einigem Abstand eine unüberschaubare Menschenmenge. Menschen lehnen sich aus den Fenstern, stehen abwartend in Türeingängen. Die Menge bewegt sich immer wieder ein Stück vor in Richtung der Barrikaden - unter ihnen nur noch einige wenige Mönche.

Menschen in Panik

Plötzlich ist das scharfe Geräusch von Gewehrsalven zu hören. Erst nach etwa 30 Sekunden bricht das Geknatter ab. Menschen flüchten in Panik in die Seitenstraßen. Einige fallen hin, die Nachdrängenden trampeln über sie hinweg. Den Flüchtenden ist die Angst ins Gesicht geschrieben.

Im Angesicht der Soldaten warnt eine 26-jährige Studentin einen ausländischen Touristen: "Du darfst da nicht weiter gehen, das sind Tiere" (die Soldaten). Ihre Universität sei bis auf weiteres geschlossen, sagt sie. "Nein, ich gehe nach Hause", sagt ein Mönch auf die Frage nach dem Wohin.

"Sie trauen sich nicht"

Der Betreiber eines Cafés deutet ebenfalls mit einer Bewegung von Hand und Fingern an, wie gefährlich die Straßen Ranguns über Nacht geworden sind. "Peng, peng, peng, jederzeit können Schüsse abgefeuert werden", will seine Geste besagen. Zum Aufbegehren seiner Landsleute gegen das Militärregime sagt er: "Sie trauen sich nicht, sie sind seit 20 Jahren unterdrückt worden."

Die breite Allee, die zur Sule-Pagode führt, ist auf beiden Seiten abgesperrt. Auf einer Querstraße fahren alle zehn Minuten Militärfahrzeuge vorbei, jedes Mal bricht in der Menge Panik aus. Und jedes Mal machen sich die Demonstranten wieder selbst Mut. Sie bedenken die Militärlaster mit Buhrufen oder fangen alle zu klatschen an. Es setzt sich wie eine Welle fort. Aus der Menge kommen immer wieder aufmunternde Rufe, nicht zu weichen. Es ist ein Hin- und Herwogen. Und wieder schieben sich die Leute nach vorn, bis die nächste Militärkolonne vorbeirast.

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