Politik : Massive Kritik an Rückkehrplänen

GÖTTINGEN (epd). Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat sich gegen eine baldige Rückführung der in Deutschland lebenden Flüchtlinge aus dem Kosovo ausgesprochen. Die Überlegungen Berlins und CDU-regierter Bundesländer, die im Juli auslaufenden Aufenthaltsbefugnisse der neu aufgenommenen Kosovo-Vertriebenen nicht zu verlängern, unterliefen die Pläne des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), erklärte der Vorsitzende der Organisation, Tilman Zülch, am Donnerstag in Göttingen. Nach dem Ende des Krieges müßten zunächst die Bewohner des Kosovo versorgt werden, die im Land umherirrten und sich in einer extremen Notlage befänden.

Erst wenn Minen geräumt seien und der Wiederaufbau begonnen habe, könnten nach Ansicht der Gesellschaft die Vertriebenen aus den Lagern in den Nachbarländern zurückkehren. Die Rückführung der in Westeuropa, den USA und Kanada aufgenommenen Kosovo-Flüchtlinge solle erst als letzter Schritt erfolgen, sagte Zülch weiter.

Der Vorsitzende appellierte an die am Donnerstag und Freitag in Dresden tagenden Innenminister von Bund und Ländern, weitere Flüchtlinge aus den Lagern in Albanien und Mazedonien aufzunehmen. Alte, Kranke und Behinderte seien dort überfordert und könnten derzeit nicht auch noch an einem Wiederaufbau des zerstörten Kosovo teilnehmen.

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