Politik : MATTHIAS ILGEN, SPD

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Matthias lgen.
Matthias lgen.Foto: dpa

In den USA hat es das schon mal gegeben. Da schaffte Jesse, genannt „The Body“, Ventura den Sprung vom Ring in die Politik. Der Wrestler wurde 1998 Gouverneur von Minnesota. Aber in Deutschland? Hier ist der Sport lange nicht so populär und die Politik funktioniert sowieso ganz anders. Und trotzdem wird dem neuen Bundestag auch ein ehemaliger Wrestler angehören. Kampfname: Matthias Rüdiger Freiherr von Ilgen. Abgeordnetenname: Matthias Ilgen.

Dabei sieht er gar nicht so aus, wie man sich landläufig jemanden vorstellt, der andere Leute durch den Ring prügelt. Matthias Ilgen ist kein Muskelprotz, niemand, der hautenge Kostüme trägt und sich das Gesicht martialisch bemalt. Den undurchdringlichen Blick aber, den beherrscht er ganz gut. Wer weiß, wozu das noch gut sein kann. „Ein bisschen schauspielerische Fähigkeiten wird man wohl im Bundestag brauchen. Da kommt es auch auf Charisma an“, erzählt Ilgen, und man hört sofort, woher er kommt. Ganz aus dem Norden, Schleswig-Holstein, Wahlkreis Nordfriesland, Husum.

Graue Stadt am Meer nannte es Theodor Storm einmal. Passt nicht recht, wenn man sich den SPD-Mann und sein Hobby so betrachtet. Natürlich wissen die Kollegen im Bundestag längst Bescheid, wer da kommt – die Geschichte des Matthias Ilgen hat sich herumgesprochen. „Ich bin wahrscheinlich der bekannteste Neue“, sagt er. Auch Selbstbewusstsein ist eine Eigenschaft, die man beim Wrestling perfektioniert. So spricht der 29 Jahre alte Politiker lange und offen darüber, was im Wahlkampf seiner SPD alles schiefgelaufen sei und was mit ihm womöglich besser klappt.

Als „Lautstärkeregler“ bezeichnet er seine künftige Rolle in der Partei unter anderem. Ein wirksameres Auftreten seiner SPD und eine klare Sprache statt des oft komplizierten Politikersprechs: Das will er erreichen, denn das hat er gelernt. Neben seinem Sportlerleben studierte Ilgen auf Lehramt und arbeitete danach als selbstständiger Veranstaltungskaufmann im Messegeschäft. Einen klassischen Achtstundentag kennt er nicht. Morgens um 6 Uhr geht’s ins Fitnessstudio, danach an die Arbeit, manchmal bis spät abends.

Vom Pensum her braucht er sich für seine neue Aufgabe nicht großartig umzustellen. Nur das mit dem Wrestling lässt er zunächst einmal ruhen – nicht zu schaffen neben der Pendelei zwischen dem Wahlkreis und Prenzlauer Berg, wo Matthias Ilgen zusammen mit einem Freund eine WG bezieht. Die Begeisterung für den Kampfsport aber wird bleiben. „Wenn es einen gepackt hat, kommt man davon nicht mehr los“, sagt Matthias Ilgen. Nicht mal als Bundestagsabgeordneter. Katrin Schulze

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