Matthies meint : Aktien in der Pfanne braten

"Chao gu" ist Chinesisch und heißt "Aktien in der Pfanne braten". Bernd Matthies macht sich Gedanken darüber, was auf dem Weg vom Steinzeitkommunismus zum Steinzeitkapitalismus schief gelaufen sein könnte. Eine Glosse.

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Ausgehend von China brechen weltweit die Börsen ein.
Ausgehend von China brechen weltweit die Börsen ein.Foto: dpa

Der Lokomotive der Weltwirtschaft, so hören wir, ist gerade der Dampf ausgegangen, und zwar, nachdem ihr die Börsenblase geplatzt ist. Die Nerven liegen blank, die Anleger verlassen fluchtartig das sinkende Schiff. Und die Welt erzittert unter Metaphergewittern wie jedes Mal, wenn die Tsunamis der Aktienmärkte die Weltwirtschaft überfluten. Ähm: erschüttern?

Da ist es immerhin instruktiv, wenn mal eine Wortschöpfung zur Ursache des Unheils vordringt. Denn was haben die Chinesen gemacht, bevor ihnen – und uns – die Börsen um die Ohren geflogen sind? Chao gu.
Bitte, ich bin kein Sinologe und deshalb angewiesen auf die Übertragung, die die Deutsche Presse-Agentur diesen beiden Vokabeln mitgeliefert hat. Chao gu nämlich heißt demnach: „Aktien in der Pfanne braten“. Putzfrauen, Taxifahrer, Studenten – alle haben Aktien nicht nur gekauft und im Depot gelagert, nein, sie haben sie in der Pfanne gebraten.

Wok statt Pfanne

Kenner chinesischer Kulturtechniken werden hier anmerken, es habe sich vermutlich eher um Woks gehandelt, doch das ist ein Einwand, der am Grundproblem nichts ändert: Aktien sind von ihrer gesamten Grundkonzeption her nicht geeignet, erhitzt zu werden.
Möglicherweise ist da in China auf dem Schnellweg vom Steinzeitkommunismus zum Steinzeitkapitalismus irgendwas verwechselt worden. Eventuell hat jemand in feinsinniger Analogie vorgeschlagen, man solle doch wenigstens die Aktien gut durcherhitzen, wenn das System selbst schon mit unangenehm blutigen Nebenwirkungen arbeitet.
Möglich. Aber wie nun weiter? Alle Geschäftsmodelle, die darauf beruhen, den Chinesen noch mehr Flughäfen, Hochhäuser und Achtzylinder-SUV anzudrehen, stehen nun auf dem sprichwörtlichen Prüfstand, ja, wir müssen sogar davon ausgehen, dass wir diese Modelle auch in der Pfanne braten können. Oder, um ein im Deutschen noch populäreres Sprachbild zu benutzen: Wir können sie in der Pfeife rauchen.
Den Chinesen ist allerdings Gelassenheit anzuraten. Ihre nächsten Aktien sollten sie kühl und trocken lagern und gegebenenfalls sanft in der Mikrowelle erwärmen; die Dividende speziell sollte eiskalt genossen werden. Dann gibt es auch keine Blasen.


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