Matthies meint : Als "Vanity Fair" es wagte, das Restaurant im Trump Tower zu kritisieren

Eine Kritikerin von "Vanity Fair" hat das Steakrestaurant im Trump Tower verrissen. Unglaublich. Da musste Donald Trump reagieren. Und wie. Eine Glosse.

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Blick ins "Trump Tower Grille", dessen Essen "Vanity Fair" einer kritischen Prüfung unterzogen hat.
Blick ins "Trump Tower Grille", dessen Essen "Vanity Fair" einer kritischen Prüfung unterzogen hat.Foto: AFP

Was sind das für Zeiten“, hat Bertolt Brecht mal gefragt, „wo ein Gespräch über Bäume fast schon ein Verbrechen ist, weil es das Schweigen über so viele Untaten einschließt?“. Damals waren die Sphären von Politik und Bäumen allerdings noch klar getrennt – während heute sogar eine Restaurantkritik von hoher politischer Brisanz sein kann.

Zugegeben: Die Kritik, um die es hier geht, richtete sich gegen das Steakrestaurant im New Yorker Trump Tower, und es war ein Text, von dem ich als Restaurantkritiker bedauernd sagen muss: So was Böses habe ich noch nie geschrieben. Das Steak, steht in „Vanity Fair“, sei über den Pommes zusammengesackt wie eine Leiche in einem ausgeschlachteten Mini-Van, und „wie kann man Pommes Frites vermurksen?“

Die Autorin juxt über die französelnden Gemälde, die aussehen wie aus dem Möbelladen zusammengekauft, vernichtet die Cocktails („,You’re fired‘, eine überdimensionierte Bloody Mary, sah wie eine dicke Krabbencocktail-Soße aus“), und merkt an, sie habe sich hinterher die Zähne zweimal geputzt und sich im Bett gewunden, bis die Übelkeit wieder vorbei war.

Die Magie des großen Donald

Am Ende wird kein dem Blatt geneigter Leser das Restaurant jemals besuchen – aber das ist ohnehin egal, weil da ja schon all die anderen sitzen, die diese „Billigversion von reich“ genauso begeistert wie der Mann, der sie in die Welt gesetzt hat. Trump übrigens hat sich per Twitter auch schon gemeldet und dem Chefredakteur der „Vanity Fair“, einem alten Intimfeind, mitgeteilt: „Way down, big trouble, dead“, sein Blatt sei auf dem Weg nach unten, habe großen Ärger und sei praktisch tot.

Darin liegt natürlich auch die Magie des großen Donald. Wo jeder normale Unternehmensboss den Küchenchef entlassen hätte, schließt er die Wagenburg und ballert zurück, das bestärkt seine Leute in dem Glauben, er sei wie sie. So schafft es nun auch das schlechte Essen ins postfaktische Zeitalter, wo fehlende tatsächliche Qualität durch innig gefühlte locker ersetzt wird.

Für uns Restaurantkritiker ist das etwas unheimlich, weil wir ja oft nicht mal wissen, ob der Eigentümer des Lokals ein mächtiger Politiker ist. Hat Putin eventuell Geld in die Berliner Edelgastronomie gesteckt? Er twittert ja bekanntlich nicht, sondern schickt seine Hackertrupps aus, und das kann bedeutend gefährlicher sein ?jhgwedskjlner gkejrg vptjeportz ejrere rejop REOIJZÜ I$§JOITZ J§%O%IZJ OIJ IZJ OIJ ܧI sdkjwej ????? ?????????????

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