Matthies meint : Dänen erheben Anspruch auf den Norden von Schleswig-Holstein - mit Sylt

Die Dänische Volkspartei will die Rückgabe von Gebieten in Schleswig-Holstein. Auch Sylt würde dann dänisch. Unser Kolumnist macht da gerne ein paar Gegenrechnungen auf.

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Sylt ist auch bei schlechtem Wetter schön. Und das sollen wir an Dänemark abtreten?
Sylt ist auch bei schlechtem Wetter schön. Und das sollen wir an Dänemark abtreten?Foto: dpa

Die aktuellen populistischen Bestrebungen lassen sich meist auf einen gemeinsamen Kern zurückführen: Es soll wieder so werden, wie es mal war. Damals, als der Kaiser noch das Sagen in Deutsch-Südwest hatte, als die Schulkinder noch mit Tinte kleckerten und der Siedler es den Rothäuten mit der Winchester besorgte. Darüber ließe sich zweifellos reden – nur will jeder in eine andere Epoche zurück. Ein Glück, dass die Italiener genug mit sich selbst zu tun haben, sonst würde Beppe Grillo wahrscheinlich Anspruch auf den Teutoburger Wald erheben und Wiedergutmachung für Varus und dessen Legionen fordern.

Nein! So weit hergeholt ist das nun auch wieder nicht, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass Sören Espersen, der Chef der Dänischen Volkspartei, gerade, durchaus ernsthaft, einen Traum formuliert hat: ein Groß-Dänemark bis zur Eider. Nun ist Dänemark ein reiches, glückliches Land, sie haben die Lebensqualität und die soziale Gerechtigkeit dort praktisch erfunden und das Glück des Radelns bei allerdings extrem flacher Topografie. Aber schauen wir mal: Wo ist diese Eider überhaupt?

Die Russen können in der Gegend nichts beanspruchen

Ah, dumme Sache: Die geht mitten durch Schleswig-Holstein. Schleswig, die nordfriesischen Inseln, ja, tatsächlich Sylt – alles dänisch? Wer in die Geschichte zurückschaut, der erfährt, dass das da oben heftig hin- und herging. Die Wikinger waren mal ziemlich einflussreich, dann machten die Dänen die Herzöge von Gottorf fertig, später war die ganze Gegend sogar mal österreichisch-preußisch, bis es schließlich 1920 eine Volksabstimmung gab, die den heutigen Zustand herbeiführte.

Für Populisten aller Seiten ist das ein gefundenes Fressen. Von deutscher Seite ließe sich durchaus die umgekehrte Forderung erheben, ganz Nordschleswig inklusive Legoland sowie einiger auch recht hübscher Inseln an Deutschland herauszugeben, dazu massenhaft Sommerhäuser, in denen ohnehin nur Deutsche wohnen. Die Österreicher könnten sich Flensburg wünschen, den Nord-Ostsee-Kanal und die Rendsburger Bahnbrücke…

Meist sind bei so was ja auch die Russen dabei, deren Geschichte allerdings in dieser Gegend absolut keine Gebietsansprüche hergibt. Wir können also relativ beruhigt sein: Es läuft vermutlich schon deshalb nicht auf einen kriegerischen Konflikt hinaus, weil die zuständigen Armeen für so etwas gar nicht das Gerät haben. Und es hat auch niemand die Absicht, eine Mauer zwischen Dänemark und Deutschland zu bauen.

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