Matthies meint : Für das Gute, gegen das Böse

"Democracy dies in the darkness" - so lautet das neue Motto der "Washington Post". Auch die "New York Times" hat einen neuen Sinnspruch, nur der Tagesspiegel bleibt bei seinem alten Motto. Eine Glosse.

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In New York demonstrieren Menschen vor dem Gebäude der "New York Times" für eine freie Presse.
In New York demonstrieren Menschen vor dem Gebäude der "New York Times" für eine freie Presse.Foto: AFP

Hier, auf dieser Seite oben, da steht es, zwischen den Krokussen und „Der Tagesspiegel“: das Motto. In unserem Fall „Rerum Cognoscere Causas“, ein Satz aus einer Zeit, als die Leute noch Latein konnten und stolz drauf waren. Er stammt von Vergil und besagt: Den Dingen auf den Grund gehen. Später hat die „Welt im Spiegel“, ein Satireprodukt, den altsprachlich-altväterlichen Anspruch lateinischer Zitate noch ein Stück weitergedreht: „Pro Bono, Contra Malum“ – für das Gute, gegen das Böse. Wer wollte da widersprechen? Beziehungsweise: Nützt das was? Beziehungsweise: Ist das besser als gar kein Motto?

Tatsächlich wird es ja immer schwerer, Gut und Böse zu unterscheiden, und die Ursachen der Dinge verlieren sich gern unauffindbar im Internet. Möglicherweise war dies eine der Überlegungen, die zum neuen Motto der „Washington Post“ geführt haben, die zum Imperium von Amazon-Chef Bezos gehört und nun ab sofort dunkel raunt: „Democracy dies in darkness“, die Demokratie sterbe in der Finsternis.

Das neue Motto klingt nach James Bond

Ja, das ist nun so ein Satz, der ein bisschen nach dem neuen James Bond klingt, 007 im Kampf gegen einen Oligarchen, der überall auf der Welt das Licht ausmachen will. Oder wie der nächste Batman-Film aus den Straßenschluchten Gothams, wo der Joker ein schwarzes Loch installiert, das jeglichen Sinn verschlingt. Auf „The Donald“, den großen Staatenlenker, scheint der Satz nicht direkt gemünzt zu sein, denn der agiert ja gern in heller Studiobeleuchtung.

Aber wie sieht man das bei der Konkurrenz in New York? Auch die „New York Times“, welch ein Zufall, hat sich ein neues Motto gegeben. Es tremoliert nicht so endzeitlich, sondern eröffnet entschlossen den Kampf gegen die Mächte des Postfaktischen: „Truth is more important than ever“, zu Deutsch: Die Wahrheit ist wichtiger denn je.

Auch das ist eine richtige Kelle voll Pathos, denkt man daran, dass das Motto dieser Zeitung früher lautete: „All the news that’s fit to print“, also: Alle Nachrichten, die es wert sind, gedruckt zu werden. Dieser angelsächsische Pragmatismus ist nicht mehr so in Mode, vermutlich als Folge der Tatsache, dass die meisten Nachrichten schon längst durch sind, bis sie irgendjemand auch noch druckt.

Bei dieser Zeitung hier, das kann ich mit Fug und Recht versichern, wird es kein neues Motto geben. Das alte hat gut 2000 Jahre überlebt – da wird es auch noch mit Trump fertigwerden.

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