Matthies meint : Hammer, Sichel, Jesus Christus

Der Papst hat von Boliviens Präsident Morales eine bescheuerte Skulptur erhalten - und hielt das Ding nur verdutzt fest. Vielleicht weil es auch viel schlimmer hätte kommen können. Eine Glosse.

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Freundliche Miene zum bescheuerten Geschenk: Papst Franziskus erhielt von Boliviens Präsident Evo Morales ein Kreuz aus Hammer und Sichel.
Freundliche Miene zum bescheuerten Geschenk: Papst Franziskus erhielt von Boliviens Präsident Evo Morales ein Kreuz aus Hammer und...Foto: dpa

In diesen Zeiten wird ja viel und leicht übel genommen, wir sollten also vorsichtig sein mit Verglimpfungen und erst recht Verunglimpfungen. Zumal, wenn es religiöse Symbole betrifft. Stellen wir uns also nur mal vor, es käme ein Künstler, ein Karikaturist womöglich, auf die Idee, Hammer und Sichel aus der sozialistischen Mottenkiste zu holen und ... Was jetzt folgt, ist blasphemisch, also für Kinder und Jugendliche unter 16 nicht geeignet: Hammer und Sichel zu holen und eine Christus-Skulptur darauf zu kreuzigen.

Ja, echt blöd. Ich entschuldige mich für meine Schnapsidee und erinnere zerknirscht an das aktuelle Urteil einer „Stern“-Autorin in Richtung Dieter Nuhrs, seine satirische Kritik an den Griechen sei „verantwortungslos“. Wo kämen wir da hin, wenn jeder einfach so an den Griechen herumkritisieren dürfte? Oder Christus ans sozialistische Kreuz fantasieren?

In Wahrnehmung dieser Verantwortung muss ich jetzt allerdings eine schockierende Mitteilung machen: Es gibt diese bescheuerte Skulptur. Boliviens Präsident Morales hat sie anfertigen lassen – und dem Papst als Gastgeschenk in die Hand gedrückt. Er ist anschließend – was für den bedenklichen Zustand der katholischen Kirche spricht – nicht sofort vom Blitz getroffen worden, und der Papst hat nicht einmal eine Instant-Exkommunikation verhängt, sondern das Ding nur verdutzt festgehalten. Anschließend hieß es aus seiner Umgebung diplomatisch, die Skulptur passe zur Persönlichkeit des linksgerichteten Präsidenten.

Nun ließe sich einwenden, dass sie dann ja durchaus auch zum Weltbild des linksgerichteten Papstes passen könne, aber dafür fehlt jeder Anhaltspunkt. Denn was könnte diese Kreuzigung bedeuten? Der Hammer symbolisiert die Industrie, die Sichel die Landwirtschaft, das ist die sozialistische Basis-Folklore aller Arbeiter-und-Bauern-Staaten. Aber warum sollte Gottes Sohn daran gekreuzigt werden, und von wem? Sollten es die Schergen des globalen Finanzkapitals gewesen sein, dann hätten sie ihn doch zweifellos an Notebook und Dow-Jones-Index genagelt.  

Egal, es hätte durchaus schlimmer kommen können. Die Staatsflagge Angolas zum Beispiel zeigt Machete und Zahnrad, die Flagge Mosambiks Hacke und Kalaschnikow, da sollte der Papst besser nicht haltmachen.

Ach, sehen wir es positiv: Eine Religion, die solche Narreteien klaglos erträgt, zählt zweifellos zu den sympathischen dieser Welt.

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