Politik : Matthies meint: Krass uncool (Kommentar)

Das Bild des großen nordafrikanischen Revolutionsführers Muammar el Gaddafi ist ein wenig, sagen wir: schillernd geworden. Immerhin wird ja nun ernsthaft abgewogen, ob er mit seinen Vermittlungsbemühungen in Sachen Jolo eine neue Methode zur Finanzierung durchgedrehter Kidnapper ausprobieren wollte oder sich doch eher um die Geiseln verdient gemacht hat. Einige Begleiterscheinungen seiner Arbeit waren aber unzweifelhaft hässlich, zum Beispiel das hinterlistige Wegschließen der internationalen Journalisten kurz vor der Ankunft der Geiseln. Doch woher soll der Mann wissen, dass so was im Westen als krass uncool gilt? Also hat er sich jetzt, um nie wieder so dumme Fehler zu machen, die Dienste der vermutlich weltberühmten Frankfurter PR-Agentur Hunziger gekauft, einer professionellen Kreidelieferantin für die Wölfe dieser Welt. Eine Strategie gibt es auch schon, und sie läuft im Wesentlichen auf Ganz-doll-Nettsein plus Tourismus hinaus. Wenn wir mal kostenlos und unverbindlich was vorschlagen dürfen: Zwei Barrel Rohöl monatlich für jede europäische Familie, eine persönliche Mahnwache Gaddafis nebst Bargeldregen vor dem ehemaligen "La Belle" - das wären vertrauensbildende Maßnahmen erster Güte. Dann noch viele große Hotels am schönen Strand von Tripoli, Sangria für alle und Revolutionsorden für Wolfgang Petri und Jürgen Drews ... Ach nein. Das haben die Libyer dann doch nicht verdient.

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