Matthies meint : Millionäre wie du und ich

Warum die Reichen so einen furchtbar schlechten Ruf haben? Das liegt vermutlich an der Arbeit bestimmter Fernsehsender, bei denen die Schere zwischen Blöd- und Schwachsinn immer weiter aufgeht. Eine Glosse.

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Nach Daniela Katzenberger präsentiert RTL II nun auch die Serie "Luxus, Liebe, Lanninger".
Nach Daniela Katzenberger präsentiert RTL II nun auch die Serie "Luxus, Liebe, Lanninger".Foto: dpa

Eines der deutschen Neben-Grundgesetze besagt, dass es eine Schere zwischen Arm und Reich gibt, dass sie immer weiter aufgeht, und dass es das vornehmste Ziel der Politik ist, sie zu schließen. Allem Anschein nach gelingt das aber nie, was auch kein Wunder ist, wenn schon Lehrer-Ehepaare der Statistik als reich gelten. Dennoch lässt sich damit so manche Talkshow auf Hochtouren bringen, und mancher Gast – erwähnen wir hier nur Ulrich „Backenbart“ Schneider von der Paritätischen Linkspartei – hat auf diesen Hochtouren eine solide Karriere begründet, die ihn garantiert auf die richtige Seite der Schere gebracht hat.

Die Reichen also sind die eigentlichen Feinde des sozialen Friedens. Aber warum haben sie diesen furchtbar schlechten Ruf? Es liegt, vermute ich, an der Arbeit bestimmter Fernsehsender, bei denen die Schere zwischen Blöd- und Schwachsinn offenbar auch immer weiter aufgeht. Am gestrigen Montag hat RTL II nämlich die erste Folge der neuen Serie „Luxus, Liebe, Lanninger“ gezeigt, die nun neben die Geissens, die Yottas und Frau Katzenberger treten soll.

All diesen Serien ist gemeinsam, dass wir geistig rätselhaft limitierten Personen beim verzweifelten Versuch zusehen müssen, ihr Geld aus dem Fenster zu werfen. Sie kaufen unablässig Yachten, Schuhe und Handtaschen, vorzugsweise in Mallorca und Ibiza, und sie unterwerfen sich kosmetischen Verrichtungen, in deren Folge sie wie Außerirdische aussehen – und zwar jene von der hässlichen Sorte. Wenn es was zu heiraten gibt, dann wird geheiratet ohne Gnade, mit Pferdekutsche, Buttercremetorte und Bentley, und die Klunker blitzen wie beim Karneval der mexikanischen Drogenbosse.

Gut, das ist Fernsehen. Kein Mensch interessiert sich für sympathische Multimillionäre, die sich unauffällig anziehen, die die Herkunft ihres Vermögens nachvollziehbar erklären können und keine Zeit haben, in Mallorca dummes Zeug über noch dümmere Gegenstände zu reden. Aber die unsympathischen reichen völlig aus, um den Ruf einer ganzen Bevölkerungsgruppe zu ruinieren. Ja, auch ich bin dafür, die TV-Geldprotze einer rabiaten, hundertprozentigen Vermögenssteuer zu unterwerfen, ihnen den nachträglichen Hauptschulabschluss aufzuerlegen und Hilfsdienste in der nächsten Suppenküche bis zum Eintritt ins Rentenalter.

Hilft das den Armen? Kaum. Aber zumindest die Schere zwischen Klug und Doof würde sich ein wenig schließen

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