Matthies meint : Neue Dröhnungen erleben!

Viele Analysen beschäftigen sich mit der Frage, was die Welt zusammenhält. Sind es Positronen, Erdöl, religiöse Ethik? Was die westlichen Gesellschaften angeht, so kommt dem Weichspüler eine wesentliche Rolle zu. Das einst aus dem amerikanischen Raum nach Deutschland eingedrungene Produkt sollte ursprünglich nichts tun, als die empfindliche Haut von der Last der Trockenstarre zu befreien – es hatte mithin für die deutsche Nachkriegsgesellschaft eine ähnlich lockernde Funktion wie Mariacron und Dujardin. Doch im Gegensatz zu jenen ist der Weichspüler auch heute noch allseits präsent, umgibt uns mit seiner Schmuseweiche von allen Seiten und hat die politische Metaphorik bis hin zur weichgespülten Gesetzesvorlage durchdrungen.

Wie ist dem Zeug das gelungen? Im Düsseldorfer Justizministerium wird gerade eine heiße Spur verfolgt. Denn in nordrhein-westfälischen Gefängnissen haben sich Häftlinge Weichspüler in die Nase gesprüht, weil ein wenig Droge drin war, ein naher Verwandter des an unseren Hintertüren gern gehandelten „Liquid Ecstasy“. Ein ziemlich ekliger Vorgang: Ätzende Seifenlauge in die Nase spritzen, um dann den Niederungen des Alltags auf eine imaginäre Sommerwiese zu entfliehen, wo zwischen fluffigen Pulloverbergen glückliche Hausfrauen hüpfen?

Und überhaupt: Wie kommt Weichspüler überhaupt in den Knast? Besteht nicht ein zentrales Element der Strafe darin, dass der Overall möglichst rau über die Haut fährt und dem Delinquenten damit permanent bewusst macht, dass Resozialisation kein Urlaub auf dem Ponyhof ist?

So oder so steht die deutsche Gesellschaft vor einer Belastungsprobe. Die Menschen werden Persil durch zusammengerollte Euroscheine in die Nase ziehen, sie werden Heftpflaster in Essigessenz auflösen und sich die Fußsohlen mit Nano-Imprägnierung einsprühen, um so schnell wie möglich neue Dröhnungen zu erleben und dabei zu sein, wenn Alice wieder einmal ins Wunderland abreist, rosa Kaninchen eingeschlossen.

Jetzt haben die Hersteller allerdings entschieden dementiert, dass sie die Substanz überhaupt in ihre Weichspüler hineintun. Also muss sich das jemand ausgedacht haben, der mit den Abläufen in den Gefängnissen vertraut ist. Ein Einzelfall? Es sieht so aus, als müssten wir es doch weiter mit religiöser Ethik, Positronen und Erdöl versuchen.

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