Politik : Matthies meint: Panter, Tunfisch & Co. (Glosse)

Es hätte nicht passender kommen können. Der Elch, totgefahren im brandenburgischen Byhlegure - nur eine Petitesse. Ein Leopard in der Lüneburger Heide? Muss mal wieder Manöver sein. Aber was da jetzt im Landkreis Pfaffenhofen gesichtet wurde, war eben kein Leopard, sondern ein Panter. Sieht blöd aus, nicht? Panter, Panter ... Ja, würden die Rückreformer unserer Rechtschreibung jetzt sagen, da kann man mal sehen, wie blöd die Reform war. Denn das Wort sieht in Alt natürlich viel schöner aus: Panther! So führt uns das Tier beweiskräftig vor Augen, wie die Reform die Lebensqualität . . Oder? Herr Reiche? "Wenn man den Deckel im Schnellkochtopf zu schnell öffnet, fliegt einem lauter halb gares Zeug um die Ohren." Sagt der brandenburgische Kultusminister, offenbar ohne zu wissen, dass einem je nach Zeitpunkt dabei durchaus sehr gares Zeug um die Ohren fliegen kann; das Resultat sind in jedem Fall mächtig rote Ohren. Insofern würden wir dem Minister durchaus zustimmen in seiner Erkenntnis, dass jeder beliebige Text durch schlichten Einsatz eines Korrekturprogramms auf Reformkurs zu bringen sei. Sollten die Schriftsteller auch so machen, meint er. Aber können wir uns z.B. Günter Grass vorstellen,wie er seine schriftstellerische Autonomie von der Triumph Gabriele an ein Programm namens "Word 2000" abtritt? Ja, es klaffen Welten zwischen Geist und Politik, und deshalb müssen wir den Panter im Auge behalten. Und seine Kumpel! Hüpft demnächst ein Känguru durch den Taunus, oder zieht FAZ-Schirrmacher unter großem Getöse einen Tunfisch aus dem Main - dann wissen wir, dass die Reformgegner ernst machen. Oder heißt das jetzt Ernst? Oder August? Ach, die Verwirrung ist groß unter uns Freunden der Rechtschreibung.

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