Matthies meint : Seehofer kann schon einpacken

Das Private ist politisch, das ist eine Binsenweisheit. Allerdings, so findet Bernd Matthies, läuft es in Deutschland immer irgendwie anders als im Rest der Welt.

Bernd Matthies Foto: Kai-Uwe Heinrich
Bernd Matthies, Redakteur für besondere Aufgaben.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Nehmen wir Silvio Berlusconi, der sich in Italien mit Nackten und Zoten auf immer neue Höhen der Popularität schraubt. Schwer vorstellbar, dass sich ein deutscher Regierungschef ... Andererseits: Würde das Ehepaar Merkel zusammen mit Freunden im Mecklenburgischen nackt in den nächsten See springen, gälte uns dies als rühmenswerte, politisch völlig unbedenkliche Ost-Nostalgie, als identitätsstiftendes Beispiel hoher Staatskunst.

Es ist letzten Endes alles eine Frage des Blickwinkels. Horst Seehofer hat bekanntlich ein Kind aus einer außerehelichen Beziehung, und er hat viele Feinde. Also kann er sich aussuchen, welchen Fehler er macht: Bleibt er auf Distanz, vernachlässigt er seine Pflichten, besucht er Kindsmutter und Nachwuchs, so wird ihm angehängt, er setze die Beziehung heimlich fort – entsprechende Gerüchte toben soeben wieder durchs Land. Man wird diese Strategie insgesamt also als ungeschickt bezeichnen dürfen; zumindest das Kinderzeugen sollte ein karrierebewusster Politiker nur bei strikt monogamer Ausrichtung in Erwägung ziehen.

Wirkmächtiger als solch gebogene Lebenswege ist allemal das strikte Nacheinander nach der Methode Schröder/Fischer. Münte und Michelle sind das Traumpaar der Stunde, frisch verliebt und offiziell bestätigt. 40 Jahre Altersunterschied sind nichts für einen in der Wolle gefärbten Sozialdemokraten, das muss man als Willy-Brandt-Enkel schon fast als Pflichtprogramm betrachten. Das Paar hat auf dem Parteitag einen Aufmerksamkeitserfolg errungen – nun aber geht es darum, beim Wähler Kasse zu machen, damit es am Wahltag auch wirklich für 20 Prozent plus x reicht.

Wir schlagen vor: Standesamtliche Trauung Ende August in Berlin-Wedding, exklusiv für RTL, „Bild“-Zeitung und „Vorwärts“. Und sozialkompatibel ein Hochzeitskleid von C & A, Verpflegung mit der großen Kelle aus der Suppenküche, zwei Bierchen in Ehren, Dixieland. Die Flitterwochen werden beschränkt auf eine Nacht am Müggelsee, anschließend geht das Paar daran, im Wahlkampf die Ernte einzufahren: Seehofer kann schon mal einpacken.

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