Politik : Matthies meint: Von Hand- und Mundräubern

Politik, sagten schon unsere Großeltern, ist ein schmutziges Geschäft. Nichts ist dabei das, was es zu sein scheint, jede Geste bedeutet ihr Gegenteil. Zuletzt hörten wir aus den Ruinen des SED-Politbüros, dass man in diesem machtvollen Organ nur eine Angst kannte: Irgendein Sowjetbonze könnte zum Begrüßungsknutschen angereist kommen. Schmatz, Briderchen! Wenn es diese Sitte im aufgeklärten Westen gegeben hätte, wäre Helmut Kohl sicher ein ähnlich scharfer Küsser gewesen - doch ihm standen stets subtilere Druckmittel zur Verfügung. Wolfgang Schäuble, der nach eigenen Worten schon zu viel Lebenszeit mit dem großen Pfälzer verbrachte, hat für uns jetzt ein wenig Licht ins Dunkel gebracht: Dass man sich kürzlich die Hand gegeben habe, sei ein "Handraub" gewesen. Wie viele Hände mag der Ex-Kanzler seit 1982 geraubt haben? Stehen sie im Oggersheimer Keller, eingelegt in Formalin? Wie war das gerade mit Kohl/Merkel? Immerhin wissen wir jetzt, was die Russen damals mit Honecker & Co getrieben haben. Das war ein klarer Fall von Mundraub.

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