• Maul- und Klauenseuche: "Alles unter Kontrolle" - London verbreitet Zuversicht im Kampf gegen die Viehseuche

Politik : Maul- und Klauenseuche: "Alles unter Kontrolle" - London verbreitet Zuversicht im Kampf gegen die Viehseuche

Hendrik Bebber

Die Maul- und Klauenseuche galoppiert, aber der britische Landwirtschaftsminister ist "absolut sicher, dass wir sie unter Kontrolle haben". Nach einem neuen Rekord von 25 Neuausbrüchen in fast allen Landesteilen befürchten die Bauernverbände, dass die Plage ihre Herden noch heftiger heimsuchen wird. "Es grenzt an ein Skandal", schimpft der irische Umweltminister Hugh Byrne, "wie unfähig Großbritannien die Situation behandelt. Sie geben dort wenig um ihre Bauern und wenig um ihre Nachbarn."

Doch der Landwirtschaftsminister verteidigte sich, dass alles Menschenmögliche im Kampf gegen MKS getan wurde: "Ich weiß. Der Anblick brennender Tierkörper ist furchtbar", sagte Nick Brown, "aber es ist die einzig richtige Politik. Die Krankheit hält sich leider nicht an den von mir verkündeten Termin für ihr Ende." Nachdem die Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen seit dem ersten Ausbruch überschritten ist und es dennoch überall zu neuen Erkrankungen kommt, befürchten die Bauern und die Veterinäre weitere Wellen der Maul- und Klauenseuche. Mehr als 100 000 Schweine, Schafe und Rinder wurden bereits vernichtet. Noch einmal so viel werden es in dieser Woche sein. Die Zuversicht des Ministers auf ein absehbares Ende gründet sich auf die entdeckten Zusammenhänge der Infektionsherde. Mit wenigen Ausnahmen konnten die Virusträger auf den großen Viehmarkt bei Carlisle in Nordengland zurückverfolgt werden. Dort kamen sie aber mit Tausenden anderen Tieren in Kontakt, die wiederum über weite Strecken transportiert wurden. An die 700 landwirtschaftliche Betriebe stehen unter Beobachtung. Um 160 Ausbruchherde wurden kilometerweite Bannkreise gezogen.

Hintergrund:
Chronologie: Der jüngste Ausbruch der Seuche in Europa

Der britische Fremdenverkehr befürchtet Milliardenverluste, weil die idyllischen Landstriche der Insel praktisch für jeden Publikumsverkehr von außen gesperrt sind. "Wenn unser Ruf durch MKS angeschlagen bleibt, hätte dies einen niederschmetternden Effekt auf den Tourismus, der Großbritannien jährlich 50 Milliarden Mark einbringt," warnte die britische Fremdenverkehrszentrale. Mit dem beißenden Gestank der Scheiterhaufen, verriegelten Parks und Herrenhäusern und Polizeisperren auf verträumten Landstraßen ist England im Augenblick kein Frühlingsmärchen.

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