Politik : Maul- und Klauenseuche: Ausbruch in NRW wahrscheinlich

Steinfurt/Berlin (dpa/AP). Die Gefahr eines Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Deutschland hat sich am Dienstag erheblich vergrößert. Bei den in der Nacht zum Dienstag in Horstmar-Leer (Nordrhein-Westfalen) getöteten Ferkeln seien typische MKS-Symptome wie Bläschen an der Rüsselscheibe, Lahmheit und Fieber festgestellt worden, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung Münster. Die Symptome seien klarer als bei allen bisherigen Verdachtsfällen.

Zum Thema Chronologie: Der jüngste Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Europa Endgültige Gewissheit werde erst Anfang nächster Woche herrschen, wenn die an das Referenzlabor in Tübingen entsandten Blut- und Gewebeproben der 100 gekeulten Tiere genau untersucht seien, sagte der Sprecher. Ergebnisse erster Schnelltests werden am Mittwoch erwartet. Sollte sich der Verdacht bestätigen, müssten nach Schätzung des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums hundertausende Tiere getötet werden. Allein im Kreis Steinfurt stehen 190 000 Rinder und 900 000 Schweine.

Die Bezirksregierung verhängte am Dienstag eine totale Sperre für Tiertransporte in einem Radius von zehn Kilometern um den betroffenen Hof. Auch Ausnahmegenehmigungen für Transporte zum nächstgelegenen Schlachthof sind in diesem Bereich nicht mehr möglich. Nach den bisherigen Erkenntnissen stammten die Ferkel nicht aus den Niederlanden, wo es bereits mehrere MKS-Fälle gegeben hatte.

In Hessen gibt es einen ersten konkreten Verdacht auf Maul- und Klauenseuche. Wie das Wiesbadener Sozialministerium berichtete, sind in einer Gärtnerei im mittelhessischen Krofdorf-Gleiberg zehn Schafe erkrankt, die Symptome der MKS aufweisen. Dies hätten Amtstierärzte des Veterinäramtes Gießen festgestellt. Nach Angaben von Ministerin Marlies Mosiek-Urbahn (CDU) wurden Blutproben der Schafe mit einem Polizeihubschrauber in die Tübinger Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen geflogen. Mit einem Ergebnis der Untersuchung sei am Mittwoch zu rechnen. Die betroffene Gärtnerei sei gesperrt und die Tötung der Tiere angeordnet worden. Niedersachsen will in einem 20 Kilometer breiten Streifen an der niederländischen Grenze alle Rinder sofort gegen die Maul- und Klauenseuche (MKS) impfen lassen.

Mit bis zu 100 000 Postkarten will der Deutsche Bauernverband die EU unter Druck setzen, damit sie vorbeugende Impfungen gegen die Maul- und Klauenseuche in bedrohten Regionen wieder zulässt. Die "mittelalterlichen Methoden" mit Massentötungen und Verbrennungen seien auf Dauer nicht tragbar, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner am Dienstag in Berlin.

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