Maul- und Klauenseuche : Brown will Virus-Krise schnell beenden

Ein Leck in einem Labor hat vermutlich einen erneuten Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in England verursacht. Der britische Premier Gordon Brown will nun schnellstmöglich Klarheit über die Herkunft des Erregers schaffen.

LondonDer jetzt in mehr als 60 getöteten Rindern eines Bauernhofs in Südengland nachgewiesene Virusstamm gleicht nach den Worten von Premierminister Gordon Brown jenem, der in einer nahegelegenen Forschungseinrichtung verwendet wurde.

Endgültige Klarheit werde es voraussichtlich erst zu Wochenbeginn geben, erklärte Brown nach einer weiteren Sitzung des Krisenkomitees COBRA. Auch andere Laboreinrichtungen würden überprüft. Der Premierminister betonte, es seien rasch umfassende Maßnahmen zur Eindämmung der Maul- und Klauenseuche (MKS) eingeleitet worden. Ziel sei es nun, sie vollständig unter Kontrolle zu bringen und schließlich auszumerzen. Bis Sonntag waren keine neuen Infektionen gemeldet worden.

Abgeschwächte Erreger

Experten vermuten, dass MKS-Viren vom Typ 01 BFS67 aus einem Labor der weltweit tätigen US-Firma Merial Animal Health in der Ortschaft Pirbright auf die Herde des nur fünf Kilometer entfernten Viehbetriebes übergesprungen sind. Dabei handelt es sich um abgeschwächte Erreger für Impfstoffe gegen die Seuche.

"Merial kooperiert voll und ganz mit der britischen Regierung bei der Suche nach dem Herd der Infektionen", erklärte der Direktor der britischen Merial-Niederlassung, David Biland. Die Produktion des Impfstoffes sei eingestellt worden. Zuvor war ein staatliches Veterinär-Institut in Pirbright, dessen Einrichtungen von der US-Firma mit genutzt werden, in Verdacht geraten. Institutsdirektor Martin Shirley erklärte, eine Untersuchung habe keine Verletzung von Sicherheitsvorschriften in der Einrichtung ergeben.

Freiwilliger Exportstopp

Unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Infektionen am Freitagabend hatte die Regierung sämtliche Transporte von Rindern, Schafen, Schweinen und Ziegen verboten. Zahlreiche Agrarmessen und landwirtschaftliche Tierschauen wurden abgesagt. Zudem kam London mit einem freiwilligen Exportstopp dem erwarteten EU-Verbot zuvor. Brown versprach, es werde "alles unternommen, was in unseren Kräften steht", um eine erneute Epidemie zu unterbinden.

Durch das Ausbleiben neuer Infektionsfälle wuchs die Hoffnung, dass die Tierkrankheit bereits eingedämmt werden konnte und nicht die Ausmaße nach dem MKS-Ausbruch vom Februar 2001 erreicht. Damals waren der britischen Landwirtschaft und der Tourismusindustrie durch eine monatelange Epidemie Schäden in Höhe vom umgerechnet mehr als zwölf Milliarden Euro entstanden. Mehr als sechs Millionen Tiere mussten getötet werden. Erst nach fast einem Jahr ließ die EU wieder Exporte von Wiederkäuern und Schweinen sowie entsprechenden Fleischprodukten aus Großbritannien in den EU-Raum zu.

Auch Bauernhöfe in Deutschland gesperrt

In Deutschland wurden nach Angaben eines Sprechers des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom Samstag fünf Tiertransporte aus Großbritannien in den vergangenen 30 Tagen ermittelt. Da sie aus Gegenden stammten, die weit entfernt von dem von der Seuche betroffenen Hof in Südengland seien, bestehe die Hoffnung, dass sie nicht befallen seien. In mindestens drei Bundesländern wurden einige Bauernhöfe für die nächsten Tage gesperrt.

Japan gab am Samstag ein Importverbot für britisches Fleisch bekannt. Auch die USA und Kanada untersagten die Einfuhr. In Frankreich wurden Tests bei Tieren und Fleischprodukten angeordnet. Im Agrarministerium der Schweiz hieß es, man halte die von London ergriffenen Maßnahmen für ausreichend. (mit dpa)

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