Politik : Maul- und Klauenseuche: Die Epidemie erreicht den Kontinent

Das Übergreifen der Maul- und Klauenseuche von Großbritannien nach Frankreich hat Ängste vor einer Ausbreitung der hoch ansteckenden Tierkrankheit in ganz Europa geschürt. Im westfranzösischen Departement Mayenne erkrankten zwei Rinder, teilte die Präfektur mit. Die 114 Tiere große Herde des Hofs in der Bretagne wurde noch in der Nacht zum Dienstag notgeschlachtet, die Verbrennung der Kadaver auf einem mit mehreren Tonnen Holz und Kohle aufgeschichteten Scheiterhaufen begann am Nachmittag. Die Behörden setzten den Krisenplan in Kraft und riegelten den Betrieb weiträumig ab.

Der Verdacht auf Maul- und Klauenseuche im Kreis Vechta in Niedersachsen bestätigte sich dagegen nicht. Die deutschen Behörden haben jedoch nach dem Übergreifen der Seuche auf den Kontinent damit begonnen, Viehtransporte aus Frankreich zu überprüfen. Landwirtschaftsminister Jean Glavany sagte, die in Frankreich bereits seit zwei Wochen ergriffenen drakonischen Vorsorgemaßnahmen könnten jetzt den Schaden begrenzen helfen. Sein Land habe im Gegensatz zu Großbritannien vorausschauend gehandelt. Doch befürchte er, dass weitere Fälle der Tierseuche aufträten.

Bislang wurden in Frankreich etwa 40 000 Schafe getötet, Fahrzeuge aus Großbritannien werden an den Grenzen desinfiziert. 19 Höfe stehen bereits unter Quarantäne, am Dienstag wurden drei neue Verdachtsfälle östlich von Paris gemeldet. Tiertransporte wurden landesweit radikal eingeschränkt.

Die Präfektur von Mayenne berichtete, die Maul- und Klauenseuche sei nur 600 Meter von einem Zuchtbetrieb ausgebrochen, der Mitte Februar Tiere aus Großbritannien eingeführt habe. Daher seien dort bereits Sperrbezirke mit scharfen Kontrollen eingerichtet worden. In einem Umkreis von nur zehn Kilometern um La Baroche-Gondouin gebe es insgesamt 550 Viehzuchtbetriebe.

Hintergrund:
Chronologie: Der jüngste Ausbruch der Seuche in Europa

Belgien verhängte sofort ein Importverbot für Klauentiere aus Frankreich. Die Niederlande verboten den Transport von Rindern, Schweinen und Ziegen. Die Schweiz schloss die Grenzen für Klauentiere aus dem EU-Raum. In Brüssel beriet der Ständige Veterinärausschuss der EU über Konsequenzen. Eine Sprecherin von Verbraucherkommissar David Byrne sagte, möglich sei, dass die Europäische Union wie im Fall Großbritanniens ein Exportverbot gegen Frankreich oder nur das betroffene Departement verhänge. Eine generelle Impfung von Tieren halte die Kommission aber auch weiterhin für nicht erforderlich. Dies werde erst erwogen, sollte sich die Seuche zu einer Epidemie entwickeln. Zurzeit sei es jedoch effektiver, die Tiere zu töten. Bereits vergangene Woche hatte die EU europaweit Tiermärkte verboten. Ein erster Verdachtsfall von Maul- und Klauenseuche wurde unterdessen auch in Italien gemeldet.

In Großbritannien stieg die Zahl der betroffenen Höfe auf 191. Der Vorsitzende eines Bauernverbandes sagte nach einem Treffen mit Ministerpräsident Tony Blair, in den nächsten beiden Tagen sollten neue Maßnahmen im Kampf gegen die Seuche ergriffen werden. Viele Landwirte sind verzweifelt, weil bislang mehr als 100 000 Tiere getötet wurden und ein Ende der Seuche noch nicht absehbar ist.

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