Politik : Maul- und Klauenseuche: Höhn lässt Tausende Tiere im Grenzgebiet zu Holland töten

Zum Schutz vor der Maul- und Klauenseuche (MKS) hat im Münsterland an der Grenze zu den Niederlanden die Massentötung von mehreren tausend Schweinen und Rindern begonnen. Ein großer Teil dieser Tiere war erst vor kurzem aus dem niederländischen Oene importiert worden. Dort war MKS festgestellt worden. Die nordrhein-westfälische Agrarministerin Bärbel Höhn (Grüne) forderte erneut drastischere Schutzmaßnahmen wie zügige Vorbeuge-Impfungen in besonders gefährdeten Gebieten und eine striktere Einschränkung von Tiertransporten.

Zum Thema Chronologie: Der jüngste Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Europa Flächendeckende Schutzimpfungen gegen die Seuche bleiben in Deutschland gemäß EU-Recht weiter verboten. Die Agrarminister von Bund und Ländern hatten am Freitag allerdings einen gemeinsamen Aktionsplan vereinbart, der bei Ausbruch der Seuche Notimpfungen von Kühen, Schafen, Schweinen und Ziegen vorsieht. Der ständige Veterinärausschuss der EU in Brüssel hatte am Freitag das Impfverbot gelockert und erstmals örtlich begrenzte Notimpfungen in den Niederlanden erlaubt.

Trotz neuer Fälle von Maul- und Klauenseuche (MKS) in Europa sind die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) zuversichtlich, dass eine weitere Ausbreitung der Krankheit in Europa verhindert werden kann. In der Abschlusserklärung des EU-Gipfels hieß es, die EU setze darauf, dass die eingeleiteten Maßnahmen die MKS stoppen werde. In den Niederlanden wurde am Samstag der vierten Fall der hoch ansteckenden Tierseuche bestätigt, die für den Menschen jedoch ungefährlich ist. Das Agrarministerium teilte mit, die Erkrankung sei nun auch in Nijbroek festgestellt worden. Nahe Nijbroek - in den Städten Olst, Oene und Welsum - waren in dieser Woche auch die drei anderen MKS-Fälle bestätigt worden. Der Ausbruch der Tierseuche in den Niederlanden wurde auf Klauentier-Importe zurückgeführt, bei denen die Tiere aus Irland über das Departement Mayenne in Nordwest-Frankreich transportiert worden waren. Dort war Mitte März die Tierseuche ausgebrochen und hatte damit erstmals auf das europäische Festland übergegriffen.

In den Niederlanden blieben alle Sperrbezirke bestehen. Ab Samstagmittag galt aber in den nicht von MKS betroffenen Regionen der Niederlande das Transportverbot für Milch und Tierfutter nicht mehr. Fleischexporte aus MKS-freien Gebieten sollen in der kommenden Woche wieder aufgenommen werden.

In Frankreich wurde am Freitag der zweite Fall von MKS bestätigt. Der neue Fall trat im Bezirk Seine-et-Marne, 50 Kilometer nordöstlich von Paris auf. Das Tier sei auf einem verbotenen Transport mit infizierten Tieren aus dem Department Mayenne in Kontakt gekommen. Die 100 Kühe und 200 Schafe auf dem Hof würden geschlachtet, die Kadaver verbrannt, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Zudem verhängte das Ministerium für alle Fleisch-, Milch- und Tierprodukte einschließlich Leder ein sofortiges Exportverbot, bevor diese Produkte nicht speziell gegen den Erreger behandelt worden sind.

Das umstrittene Rinderschlachtprogramm zur Stützung des wegen der BSE-Krise eingebrochenen Rindfleischmarktes wird in Nordrhein-Westfalen wegen der MKS-Gefahr nach Angaben von Höhn an diesem Montag nicht starten. "Wir werden die Ankaufaktion verschieben", sagte Höhn am Samstag am Rande des thüringischen Grünen-Parteitages in Erfurt. Sie wolle verhindern, dass das Virus sich "wie ein Blitz" überallhin verbreiten könne. Das EU-weite Ankauf- und Schlachtprogramm von Rindern soll bundesweit am Montag beginnen.

Auch in dem für Anfang der Woche angekündigten Castor-Transport von Frankreich in das niedersächsische Gorleben sieht die Ministerin ein Risiko, da er durch ländliches Gebiet führe: "Das muss man prüfen."

Von der Keulungsanordnung im Münsterland sind Betriebe in den Kreisen Coesfeld, Borken und Warendorf betroffen. Insgesamt sollen nach Angaben der Bezirksregierung 3767 Schweine und 183 Rinder am Wochenende gekeult werden. Mit stichprobenartigen Blutproben würden die getöteten Tiere auf eine MKS-Infektion untersucht. Die Kadaver würden auf Sondertransporten abgefahren, zu Tiermehl verarbeitet und verbrannt. Am Freitag waren bereits auf einem Hof im westfälischen Kreis Unna rund 170 aus den Niederlanden stammende Ferkel getötet worden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben