Politik : Maul- und Klauenseuche: Moskau verhängt Importverbot gegen EU-Fleisch

Zur schnelleren Beseitigung tausender Tierkadaver haben britische Soldaten am Montag mit Baggern und Radladern Massengräber ausgehoben. Die Tötung und Vernichtung der Tiere auf einem früheren Luftwaffenstützpunkt im Nordwesten Englands soll die weitere Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche (MKS) verhindern. Die Zahl der Infektionsherde im Land erhöhte sich unterdessen auf 607. Wissenschaftler hatten gewarnt, die Seuche drohe sich derart rasch auszubreiten, dass möglicherweise die Hälfte des britischen Viehbestandes von 62 Millionen Tieren getötet werden müsse. Großbritannien hat seit dem Ausbruch der Seuche vor fünf Wochen bereits mehr als 360 000 Tiere töten und vernichten lassen. Mehr als 200 000 Tiere sollen noch geschlachtet werden.

Zum Thema Chronologie: Der jüngste Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Europa Auch in den Niederlanden war am Sonntag ein weiterer MKS-Fall aufgetreten. Das Landwirtschaftsministerium in Den Haag bestätigte, dass es in der Ortschaft Oene, nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen, den fünften Infektionsherd gibt. Das niederländische Landwirtschaftsministerium führt alle bisherigen MKS-Infektionen auf Vieh-Importe zurück. Da alle MKS-Fälle räumlich eng beieinander lägen, könne eine Ausbreitung der Seuche möglicherweise verhindert werden, sagte eine Sprecherin. Das niederländische Landwirtschaftsministerium hat am Montag mit Notimpfungen von Tieren rund um die von MKS betroffenen Höfe begonnen. Zurzeit rechnet man in Den Haag damit, dass mehr als 20 000 Tiere getötet werden müssen. Der niederländische Bauernverband kündigte Protestaktionen gegen die Massenschlachtungen gesunder Tiere zur Vorbeugung gegen die Tierseuche an.

Russland verhängte ein 21-tägiges Importverbot für Fleisch und Fleischprodukte aus der Europäischen Union (EU), aus Zentraleuropa und dem Baltikum. China verhängte ebenfalls ein Importverbot. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Montag, das Landwirtschaftsministerium wolle mit diesem Schritt die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche nach China verhindern.

Wenig Resonanz auf Schlachtprogramm

Das Schlachtprogramm für 400 000 Rinder zur Marktentlastung wegen der BSE-Krise ist in Deutschland nur schleppend angelaufen. Wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Frankfurt (Main) mitteilte, wurde am Montagmorgen bundesweit nur in zwei der 18 vorgesehenen Schlachthöfe gekeult. Die Tiere werden zu einem Kilopreis von 3,30 Mark aufgekauft, zur Tierkörperverwertung gebracht, dort zu Tiermehl verarbeitet und dann verbrannt, sagte eine BLE-Sprecherin. Bundesagrarministerin Renate Künast hatte zuletzt damit gerechnet, dass weit unter 100 000 Tiere vernichtet würden.

In Nordrhein-Westfalen soll es zum Schutz vor der Maul- und Klauenseuche bis zum 30. März keine Transporte zu den Schlachthöfen geben. Die Kosten des Programms, das bis zum 20. April läuft, werden zu 70 Prozent von der EU und zu 30 Prozent vom Bund bezahlt. Nach Angaben der BLE soll am 23. April das Nachfolgeprogramm der Europäischen Union anlaufen, bei dem das Fleisch auch eingelagert werden kann.

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