Politik : Maul- und Klauenseuche: Niederlande ordnen Notimpfungen für Tiere an

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In den Niederlanden breitet sich die Maul- und Klauenseuche (MKS) weiter aus. Neben den östlichen Grenzprovinzen Overijssel und Gelderland, wo sich der Verdacht auf Ausbruch von MKS bereits am Mittwoch bestätigt hatte und wo es nun drei bestätigte Fälle gibt, stehen nun auch drei Höfe in der dicht besiedelten Provinz Brabant im Süden des Landes unter MKS-Verdacht. Agrarminister Laurens Brinkhorst hat inzwischen die vorsorgliche Tötung von 18 000 Tieren in der unmittelbaren Nachbarschaft der betroffenen Höfe angeordnet. Da die Entsorgungskapazitäten für die Tier-Kadaver beschränkt sind, wurden die Tiere vorläufig einer Notimpfung unterzogen.

Zum Thema Chronologie: Der jüngste Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Europa Nach dem Ausbruch der Seuche mehren sich im Königreich die Stimmen, die eine Aufhebung des 1992 von der EU erlassenen Impfverbots für Vieh fordern. Durch die Zunahme des weltweiten Tourismus sei die Gefahr des Ausbruchs von MKS in den letzten Jahren erheblich gestiegen, begründete Piet Thijsse, der Vorsitzendes des Verbands der niederländischen Viehhändler, seine Forderung nach Abschaffung des Impfverbots. Die EU hatte das Impfverbot eingeführt, weil Importnationen wie die USA und Japan die Einfuhr des Fleisches von geimpften Tieren verweigern. Die Kosten bei einem Ausbruch der Seuche schätzt die EU geringer als drohende Exportverluste ein. Der niederländische Tierschutzverband plädierte am Donnerstag dafür, zumindest den Umkreis der zulässigen Notimpfungen in der unmittelbaren Nachbarschaft der betroffenen Höfe von einem auf zehn Kilometer zu erweitern: So könne vermieden werden, dass unnötig viele gesunde Tiere notgeschlachtet werden müssten. Der niederländische Agrarminister Laurens Brinkhorst hatte bereits zu Wochenbeginn im EU-Ministerrat vergeblich auf eine neuerliche Debatte über das Impfverbot gedrungen.

In Großbritannien ist die Maul- und Klauenseuche nach Angaben eines wissenschaftlichen Beraters der Regierung außer Kontrolle geraten. Der Seuchenexperte Roy Anderson sagte am Donnerstag dem Fernsehsender BBC, er denke, diese Einschätzung werde von der Regierung, der Landwirtschaft und unabhängigen wissenschaftlichen Beratern geteilt. Die Seuche werde in Großbritannien noch Monate andauern, warnte Anderson. Sie habe ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Dies werde voraussichtlich nicht vor Mai geschehen, sagte der Experte. Frühestens im August werde MKS seiner Meinung nach ausgerottet sein. Die Seuche könne damit in Großbritannien den Ausbruch von 1967 noch übertreffen und schlimmere Folgen als jemals zuvor haben. Nach seiner Einschätzung waren 1967 rund 2000 Betriebe in Großbritannien betroffen. Derzeit sind es 435. Das britische Landwirtschaftsministerium hat Roy wegen MKS zu Rate gezogen.

Die hoch ansteckende Seuche war vor rund vier Wochen in Großbritannien ausgebrochen. Mehr als 270 000 Tiere wurden bislang getötet, weil sie entweder infiziert oder gefährdet waren. Weitere 130 000 Tiere sollen noch getötet werden.

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